Anton Wildgans (1881-1932)

»Und hättet der Liebe nicht« (1911)

1 Tiefer Blick 1:21
2 Liebesnacht 2:36
3 Und dann war Sommer 2:31
4 Herbst und Ende 2:48
5 Häftlinge 1:49
6 Gerichtsverhandlung 1:56
7 Letzte Instanz 1:28
8 Einem jungen Richter 2:01
9 Die armen Mädchen 1:03
10 Die Jünglinge im Frühling 1:36
11 Junge Bäuerin 1:36
12 Stimme im Traume des Künstlers 2:27
13 Die Mädchen und der Unbekannte 2:19
14 Wink der Alten 1:22
15 Dienstboten 1:21
16 Du bist der Garten... 0:45
17 Weltflüchtige Liebe 0:39
18 Einer Gesegneten 0:41
19 Einem Schauspieler 0:25
20 Einem Tätigen 0:19
21 Ergebnis (Mir) 0:43
22 Vom kleinen Alltag 4:12
23 Ich bin ein Kind der Stadt 3:35
24 Das Grab der Anna Quendelin 1:35
25 Notturno 1:10
26 Dieses Haus wird demoliert 3:30
27 Zwiesprach 5:25
49:27

Wirkung

Der Dichter
im Jahre 1910

 

Rezeption zum Gedichtband: »Und hättet der Liebe nicht ...«, Berlin 1911
Im Klappentext zur Ausgabe der »Sonette an Ead« (1913) finden sich die Kritiken:

LEIPZIGER NEUESTE NACHRICHTEN:
»Wildgans’ Stärke ist seine Einsamkeit; und seine Tiefe sein Weitgefühl; und sein Bezwingendes ist seine Liebeskraft. Weil er allein steht, spricht er nur zu sich selbst, in voller Wahrheit und Phrasenlosigkeit. Weil er die Welt umklammert, wendet er sich zu Gott, in tiefer Demut und Kindschaft. Und weil er der Liebe hat, redet er von den Mühseligen und Bedrückten mit fühlendem und werbendem Verstehen. Die Selbstgespräche des Einsamen enthüllen Letztes der Menschenbrust; die Klagen des Gottsuchers reißen allen Weltjammer vor uns auf; die Schilderungen des Mitleidvollen rücken uns die Verachtetsten und Enterbtesten unserer Erdengeschwister nahe. Also ein düsteres Buch? Und doch geht ein Klang von solch hellem, goldenem Glücksverlangen hindurch, daß man den Strahl schon fühlt, der dieses Gewölke einmal zerteilen muß und der Menschenbrust neue Paradiese schafft.«

DER STROM (Berlin):
»In zwiefachem Sinne ist dieses Buch zu einem menschlichen Dokument geworden: Im Sinne des Autors, der sich darbietet, mit Leiden und Wundmalen, in den Passionen der Einsamkeit und der Liebe empfangen; Im Sinne der Unwelt, in die er sich immer inniger vertieft.
Anton Wildgans ist ein Dichter von einer tiefen, wahrhaften Christlichkeit; der evangelischen Worte auf dem Titelblatt hätte es für diese Erkenntnis nicht erst bedurft. Man möge dies aber im heutigen Sinne nicht mißverstehen, sondern im Sinne der reinen christlichen Idee erfassen, die durch die Jahrhunderte gewandert ist, während die Gestalt, in die sie sich inkarnieren mußte, zur kirchlichen Hierarchie erstarrte; die in allen Strömen der Weltgeschichte mitfloss und in der sozialen Bewegung der Gegenwart lebendiger und mächtiger ist als irgendwo und irgendwann. Er aber ist beredter als ein Apostel oder Agitator; denn kein Lehrender ist er, sondern ein Schildernder, er besitzt keinen Zweck noch Willen zur Tat: ein Ergriffener, ergreift er wider.«

DIE WAGE (Wien)
»Wildgans ist ein ganzer Mann und das ist seine Stärke unter den Lyrikern, die wie hysterische Weiber dichten. Er gießt das Leben in Verse von starrender Wucht und der Stoff verliert in seinen Händen alles grob Materielle und wird zum Objekt reiner durchgeistigter Kunst. Weil er Kraft besitzt, meistert ihn das Wort nicht, kann ihn der leere Wohlklang nicht betören, und er darf die engen Grenzen der Lyrik durchbrechen, die keiner der Zärtlinge überschreitet, ohne zu enthüllen, daß sein Versegebimmel nur gereimte Prosa, Pathos und Mache ist. Und Klarheit des Blicks befähigt Wildgans zu einer Wucht der Schilderungen, die in der ganzen jungdeutschen Lyrik einzig dastehen, ohne daß er dabei etwas vom Gefühlsinhalt verliert.«

NEUE FREIE PRESSE (Wien):
»Selbst in jenen Kreisen, die prinzipiell die Lyrik beiseite werfen, weil sie ihnen nur Nahrung für die Sentimentalität von Frauen und Halbwüchsigen scheint, würde sich der Besitz dieses Buches durch reine Ergriffenheit lohnen. Kein stark und künstlerisch Fühlender kann seinem tiefen Gehalt Bewunderung versagen, die gleicherweise - denn wie wäre hier eine selten schöne Einheit zu teilen - dem ernsten Dichter und reifen Menschen Anton Wildgans gilt.«