Fantasiestücke in Callot's Manier

Blätter aus dem Tagebuch
eines reisenden Enthusiasten

Erster Band


Schuber mit 3 CD und 60seitigem Beiheft zum Preis von € 26,00

CD 1 Jaques Callot 3:16
Ritter Gluck 26:19
Don Juan 31:37 61:12
CD 2 Kreisleriana 4:45
Johannes Kreisler, des Kapellmeisters, musikalische Leiden 17:34
Ombra adorata 7:31
Gedanken über den hohen Wert der Musik 14:07 53:57
CD 3 Beethovens Instrumentalmusik 20:20
Höchst zerstreute Gedanken 21:45
Der vollkommene Maschinist 22:01 63:43

Die »Fantasiestücke in Callots Manier« sind der literarische Ertrag Hoffmanns »Lehr- und Marterjahre« in Bamberg (September 1808 bis April 1813), sowie der Zeit, die er als »wandernder Musikdirektor« in Dresden und Leipzig zubrachte (April 1813 bis September 1814) und der ersten Monate seines dritten Berliner Aufenthaltes. Es handelt sich um eine Sammlung von zwanzig unterschiedlichen Stücken: musik­theoretische Aufsätze, Abhandlungen mit autobiographischem Bezug sowie Märchenhaftes und fantastische Erzählungen.

Die Schöpfung der »Fantasiestücke in Callots Manier« gehen zurück auf einen Vertrag, den E. T. A. Hoffmann mit dem Bamberger Buchhändler, Leihbibliothekar und Weinhändler Kunz eingegangen war. Dieser Vertrag wurde auf Drängen Hoffmanns aufgesetzt, der für seinen Fortzug ein Zugeld brauchte; den Fortzug hatte er seiner Leidenschaft für die 16jährige Julie Marc zu verdanken. Er hatte deren Bräutigam bei einer auswärtigen Festivität aufs gröbste beleidigt und der Bamberger Patrizierfamilie höchsten Tort angetan..
Er trat ein Amt als Konzertmeister bei der Seconda'schen Truppe an, deren Wirken durch die Kreigswirren schwer beeinträchtigt wurde. So lebte er denn kümmerlich, mal in Leipzig, mal in Dresden, bis er nach seiner Kündigung der Stelle nach Berlin zog. Er bemühte sich darum, wieder in den Staatsdienst zu kommen. Im Januar 1815 schloss er die Arbeiten am vierten Band der »Fantasiestücke« ab.
Durch die bereits erschienenen ersten beiden Bände »in Callots Manier« war er zum vielbeachteten Schriftsteller sowie in den Berliner literarischen Kreisen »merkwürdig« bekannt geworden war, übernahm, angeregt durch die Bekanntschaft mit Adelbert von Chamisso, aus dessen Märchenerzahlung »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« (1814) das Motiv vom verlorenen Schatten und schrieb als Pendant dazu seine »Geschichte vom verlornen Spiegelbilde«, entstandenen Rahmenerzählung »Die Abenteuer der Silvesternacht«, die er als Eröffnungsbeitrag (VIII. Stück) für den vierten Band bestimmte. Im Druck erschienen die vier Bändchen der Buch-Erstausgabe unter dem Titel »Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten« wie folgt: Band 1 und 2 Ostern 1814, Band 3 Ende des Jahres 1814 und Band 4 Ostern 1815.
Die »Fantasiestücke« sind das einzige Werk des Dichters, das zu seinen Lebzeiten in einer »Zweiten, durchgesehenen Auflage in zwei Teilen« (Bamberg 1819) erschien. Einzelheiten über den Druckprozess sind nicht mehr bekannt. Fest steht, dass der Autor das Manuskript für die zweite Auflage, die als authentische Ausgabe letzter Hand gilt, sorgfältig durchge­sehen und zahlreiche Textänderungen vorgenommen hat. Darüber hinaus wurden die Beiträge der vier Bände nun auf zwei stärkere Bände umverteilt, wobei das in den Aufsatz »Kreislers musikalisch-poetischer Klub« einge­schobene Fragment »Prinzessin Blandina« (Erster Aufzug) als »unangemessen« aus­geschieden wurde. Hoffmann hat verschiedentlich Partien ausgelassen und Kürzungen vorge­nommen, so beim »Magnetiseur« und bei den »Abenteuern der Silvesternacht«. Auch stilistisch wurde die neue Ausgabe einer gründlichen Durchsicht unterzogen; der Autor hat umständliche Satzperioden vereinfacht, Fremdwörter verdeutscht sowie Rhythmus und Sprachmelodie verbessert.

Die »Fantasiestücke in Callots Manier« machten Hoffmanns Namen beim Lesepublikum sowie auch in literarischen Kreisen schnell bekannt, so dass man »den Verfasser ... zu großen Tees« einlud, »als sei er eine merkwürdige Person« (Hoffmann an Hippel, 12. März 1815). Trotz dieses Erfolges beklagte sich der geschäftstüchtige Verleger Kunz in Bamberg bei Hoffmann: »Ja! Sie sind wirklich ein teurer Freund, denn Sie kommen mir teuer zu stehen« - »und nun folgte«, wie der Dichter im Brief an Friedrich Speyer vom 1. Mai 1820 Kunz’ Verhalten persiflierte, »eine Apothekerrechnung des ungeheuern Schadens, den ihm der Verlag meiner ,Fantasiestücke’ verursacht - dann aber... die Aufforderung, ihm ferner Werke im Verlag zu geben«
»Er war«, schrieb Willibald Alexis in seinem Beitrag zu Hitzigs Biographie »Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß« (»Zur Beurteilung Hoffmanns als Dichter«, 1823), »zuerst als Enthusiast aufgetreten, und seine ,Fantasiestücke’ erregten einen weit lauteren Beifall als seine spätem, in sich vollendeten Erzählungen.« Entscheidende Beiträge für die wachsende Beliebtheit der Stücke »in Callots Manier« leisteten vor allem die fast durchweg wohlwollenden bzw. reichlich Lob spendenden zeitgenössischen Rezensionen renommierter Jahrbücher und Literaturzeitungen, aber auch die in kleine­ren Periodica erschienenen klischeehaften Annotationen.
Die Reihe der Besprechungen eröffnete am 17. August 1814 ein anonymer Artikel von Friedrich Rochlitz in der »Allgemeinen Musikalischen Zeitung«. Der Verfasser entschuldigt den fragmentarischen Charakter seiner Ausführungen damit, dass ihm bereits »andere mit Empfehlung des Buchs zuvorgekommen« seien und im übrigen »Dichtungen als solche nicht vor das Forum dieser Blätter« gehörten. Sein eigentliches Interesse reduziert sich also auf die musikalischen Abhandlungen der »Fantasiestücke«: »So finden wir uns denn bei diesem Buche zurückgeführt fast auf eine bloße Anzeige seines Inhalts, auf Aushebung einiger Einzelheiten, die sich eben ohne Schaden ausheben lassen, und auf einige Bemerkungen dabei, denen wir kein größeres Gewicht beimessen, als die Waage, die jeder anwenden will, von selbst ausweiset. ... Der Verfasser zeigt durch sein ganzes Werkchen, bei einer reichen Gabe der Erfindung, eine originelle, geistreiche Ansicht gar mancher Dinge in der Welt, die gewöhnlich nur mitgemacht und mitberedet, nicht eigentlich betrachtet und durchgesprochen, noch weniger als Stoff zu Dichtungen verwendet werden; er legt ferner, neben keineswegs gewöhnlicher Kenntnis mehrerer Fächer der Wissenschaft und Kunst, besonders wie sie eben jetzt vorgezeigt zu werden pflegen, eine reine, edle Ansicht der Musik und eine innige Vertrautheit mit ihrer Theorie, Praxis und Geschichte dar; seine Darstellung nimmt meistens durch Fülle, Kraft, Leben und nebenbei durch manches Pikante für das, was er vorträgt, ein, und zuweilen weiß er diese Vorzüge bis zum Hinreißenden zu steigern, so daß wohl jeder Leser dann gern übersiehet, wenn er sich hin und wieder noch abspringender zeigt, noch mehr sich gleichsam überpoltert, als die Gattung verlangt, oder in einigen andern Stücken den Strom der Rede nach allen Seiten hin weiter ausrinnen läßt, als sich gebühren möchte. In seinen Erzählungen versteht er überdies wie wenige (nach Goethes scherzhaftem und doch so bezeichnendem Ausdruck), ,das Gemeine mit dem Unmöglichen anmutig wechseln zu lassen und auch dadurch den Leser gar wunderlich anzuregen und festzuhalten’.- Dies sei im allgemeinen genug...«