Fantasiestücke in Callot's Manier

Blätter aus dem Tagebuch
eines reisenden Enthusiasten

Dritter Band


Schuber mit 3 CD und 40seitigem Beiheft
zum Preis von € 25,75 - Nicht mehr lieferbar

Der Goldene Topf
Ein Märchen aus der neuen Zeit
CD 1 Erste Vigilie 14:13
Zweite Vigilie 19:45
Dritte Vigilie 12:51
Vierte Vigilie 17:12 64:01
CD 2 Fünfte Vigilie 22:49
Sechste Vigilie 18:50
Siebte Vigilie 15:51
Achte Vigilie 21:39 79:09
CD 3 Neunte Vigilie 19:51
Zehnte Vigilie 15:56
Elfte Vigilie 14:08
Zwölfte Vigilie 13:08 63:03

Der eingelesene Text bezieht sich auf die vom Dichter autorisierte Version. Dieser Text wird ungekürzt in die Aufnahme übernommen.
Die Lieferung erfolgt im Schuber mit dem Booklet und einem Dreier-CD-Pack.
Das 40seitige Beiheft unterrichtet über den Lebenslauf des Künstlers, die Entstehungsgeschichte, die Rezeption und beinhaltet Erläuterungen über nicht mehr gebräuchliche Redewendungen und Zitierungen, die nur aus dem damaligen historischen Kontext begreiflich sind.

Die »Fantasiestücke in Callots Manier« sind der literarische Ertrag Hoffmanns »Lehr- und Marterjahre« in Bamberg (September 1808 bis April 1813), sowie der Zeit, die er als »wandernder Musikdirektor« in Dresden und Leipzig zubrachte (April 1813 bis September 1814) und der ersten Monate seines dritten Berliner Aufenthaltes. Es handelt sich um eine Sammlung von zwanzig unterschiedlichen Stücken: musik­theoretische Aufsätze, Abhandlungen mit autobiographischem Bezug sowie Märchenhaftes und fantastische Erzählungen.

Die Schöpfung der »Fantasiestücke in Callots Manier« gehen zurück auf einen Vertrag, den E. T. A. Hoffmann mit dem Bamberger Buchhändler, Leihbibliothekar und Weinhändler Kunz eingegangen war. Dieser Vertrag wurde auf Drängen Hoffmanns aufgesetzt, der für seinen Fortzug ein Zugeld brauchte; den Fortzug hatte er seiner Leidenschaft für die 16jährige Julie Marc zu verdanken. Er hatte deren Bräutigam bei einer auswärtigen Festivität aufs gröbste beleidigt und der Bamberger Patrizierfamilie höchsten Tort angetan..
Er trat ein Amt als Konzertmeister bei der Seconda'schen Truppe an, deren Wirken durch die Kreigswirren schwer beeinträchtigt wurde. So lebte er denn kümmerlich, mal in Leipzig, mal in Dresden, bis er nach seiner Kündigung der Stelle nach Berlin zog. Er bemühte sich darum, wieder in den Staatsdienst zu kommen. Im Januar 1815 schloss er die Arbeiten am vierten Band der »Fantasiestücke« ab.
Durch die bereits erschienenen ersten beiden Bände »in Callots Manier« war er zum vielbeachteten Schriftsteller sowie in den Berliner literarischen Kreisen »merkwürdig« bekannt geworden war, übernahm, angeregt durch die Bekanntschaft mit Adelbert von Chamisso, aus dessen Märchenerzahlung »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« (1814) das Motiv vom verlorenen Schatten und schrieb als Pendant dazu seine »Geschichte vom verlornen Spiegelbilde«, entstandenen Rahmenerzählung »Die Abenteuer der Silvesternacht«, die er als Eröffnungsbeitrag (VIII. Stück) für den vierten Band bestimmte. Im Druck erschienen die vier Bändchen der Buch-Erstausgabe unter dem Titel »Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten« wie folgt: Band 1 und 2 Ostern 1814, Band 3 Ende des Jahres 1814 und Band 4 Ostern 1815.
Die »Fantasiestücke« sind das einzige Werk des Dichters, das zu seinen Lebzeiten in einer »Zweiten, durchgesehenen Auflage in zwei Teilen« (Bamberg 1819) erschien. Einzelheiten über den Druckprozess sind nicht mehr bekannt. Fest steht, dass der Autor das Manuskript für die zweite Auflage, die als authentische Ausgabe letzter Hand gilt, sorgfältig durchge­sehen und zahlreiche Textänderungen vorgenommen hat. Darüber hinaus wurden die Beiträge der vier Bände nun auf zwei stärkere Bände umverteilt, wobei das in den Aufsatz »Kreislers musikalisch-poetischer Klub« eingeschobene Fragment »Prinzessin Blandina« (Erster Aufzug) als »unangemessen« aus­geschieden wurde. Hoffmann hat verschiedentlich Partien ausgelassen und Kürzungen vorgenommen, so beim »Magnetiseur« und bei den »Abenteuern der Silvesternacht«. Auch stilistisch wurde die neue Ausgabe einer gründlichen Durchsicht unterzogen; der Autor hat umständliche Satzperioden vereinfacht, Fremdwörter verdeutscht sowie Rhythmus und Sprachmelodie verbessert.

Die »Fantasiestücke in Callots Manier« machten Hoffmanns Namen beim Lesepublikum sowie auch in literarischen Kreisen schnell bekannt, so dass man »den Verfasser ... zu großen Tees« einlud, »als sei er eine merkwürdige Person« (Hoffmann an Hippel, 12. März 1815). Trotz dieses Erfolges beklagte sich der geschäftstüchtige Verleger Kunz in Bamberg bei Hoffmann: »Ja! Sie sind wirklich ein teurer Freund, denn Sie kommen mir teuer zu stehen« - »und nun folgte«, wie der Dichter im Brief an Friedrich Speyer vom 1. Mai 1820 Kunz’ Verhalten persiflierte, »eine Apothekerrechnung des ungeheuern Schadens, den ihm der Verlag meiner ,Fantasiestücke’ verursacht - dann aber... die Aufforderung, ihm ferner Werke im Verlag zu geben«
»Er war«, schrieb Willibald Alexis in seinem Beitrag zu Hitzigs Biographie »Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß« (»Zur Beurteilung Hoffmanns als Dichter«, 1823), »zuerst als Enthusiast aufgetreten, und seine ,Fantasiestücke’ erregten einen weit lauteren Beifall als seine spätem, in sich vollendeten Erzählungen.« Entscheidende Beiträge für die wachsende Beliebtheit der Stücke »in Callots Manier« leisteten vor allem die fast durchweg wohl­wollenden bzw. reichlich Lob spendenden zeitgenössischen Rezensionen renommierter Jahrbücher und Literaturzeitungen, aber auch die in kleineren Periodica erschienenen klischeehaften Annotationen.

                              D e r     G o l d e n e    T o p f

Der ursprüngliche Entwurf wurde in Dresden nach dem 24./25. Juni 1813, völlig umgestaltet und lediglich das Motiv von der »Tücke des Objekts« beibehalten. Der Dichter machte die Großstadt, deren Milieu er detailgetreu wiedergibt, zum Schauplatz der Handlung und vertiefte die Belanglosigkeiten der Bamberger literarischen Quelle zur phantastischen Variation des Themas Kunst und Leben. Sowohl die Hauptfigur Anselmus als der Geisterfürst Lindhorst erhielten Züge von Hoffmann, und auch die Auseinandersetzung mit dem realistisch gezeichneten planen Philistertum (Konrektor Paulmann, Registrator Heerbrand) wurzelt im Biographischen (Nachwirkungen der Demütigung Hoffmanns als Bamberger Musiklehrer). Die naturmythologische Komponente der Dichtung wurde zweifellos durch Motive aus dem Werk »Erste Urkunde der Geschichte oder Allgemeine Mythologie« (Bayreuth 1808) des Schriftstellers und Philologen Arnold Kanne bereichert, mit dem Hoffmann über seinen Leipziger Freund Adolph Wagner in Verbindung gekommen war. Rückgriffe zur Motivik und zum Handlungsrahmen finden sich unter anderem bei Schikaneders Libretto zur »Zauberflöte« und italienischen und orientalischen Vorlagen. Mit der gedanklichen Konzeption dieses poesievollen, heiter-ironischen Märchens befasste sich Hoffmann während des Kanonendonners, der im August 1813 die Offensive der antinapoleonischen Koalition einleitete. Am 19. August schrieb er an Kunz: »In keiner als in dieser düstern verhängnisvollen Zeit, wo man seine Existenz von Tage zu Tage fristet und ihrer froh wird, hat mich das Schreiben so angesprochen - es ist, als schlösse ich mir ein wunderbares Reich auf, das, aus mein[em] Innern hervorgehend und sich gestaltend, mich dem Drange des Äußern entrückte. - Mich beschäftigt die Fortsetzung [der »Fantasiestücke«] ungemein, vorzüglich ein Märchen, das beinahe einen Band einnehmen wird. - Denken Sie dabei nicht, Bester! an Schehezerade [Scheherezade] und ,Tausendundeine Nacht’ - der Turban und türkische Hosen sind gänzlich verbannt. - Feenhaft und wunderbar, aber keck ins gewöhnliche alltägliche Leben tretend und sei[ne] Gestalten ergreifend, soll das Ganze werden. So z. B. ist der Geheime Archivarius Lindhorst ein ungemeiner arger Zauberer, dessen drei Töchter, in grünem Gold glänzende Schlänglein, in Kristallen aufbewahrt werden, aber am h[eiligen] Dreifaltigkeitstage dürfen sie sich drei Stunden lang im Holunderbusch an Ampels Garten sonnen, wo alle Kaffee- und Biergäste vorübergehn - aber der Jüngling, der im Festtagsrock sei[ne] Buttersemmel im Schatten des Busches verzehren wollte, ans morgende Kollegium denkend, wird in unendliche wahnsinnige Liebe verstrickt für eine der Grünen - er wird aufgeboten - getraut - bekommt zur Mitgift einen goldnen Nachttopf, mit Juwelen besetzt - als er das erstemal hineinpißt, verwandelt er sich in einen Meerkater usw. - Sie bemerken, Freund! daß Gozzi und Faffner [Fafner, nach der nordischen Sage ein Riese in Drachengestalt] spuken!«
[Man beachte auch die Parallelität zu Wielands »Prinz Biribinker«, bei der sich der Nachttopf mit der Benutzung in eine Fee verwandelt ]
Der Abschluss der Arbeiten am »Magnetiseur« und die endgültige Konzipierung des Märchens fallen in die gleiche Zeit. Die unmittelbare Niederschrift aber musste der Dichter zugunsten des Komponisten Hoffmann zurückstellen, der noch bis zum 3. September am Ersten Akt seiner Oper »Undine« arbeitete. Am 8. September 1813 schrieb Hoffmann an Kunz: »Gott lasse mich nur das Märchen enden, wie es angefangen - ich habe nichts Besseres gemacht, das andere ist tot und starr dagegen, und ich meine, daß das Sichheraufschreiben zu etwas Ordentlichem vielleicht bei mir eintreffen könnte! Der Wille ist immer stark gewesen, aber: wir sind allzumal Sünder und mangeln pp...!«
Bisher hatten Idee und Handlung lediglich in Hoffmanns Kopf feste Gestalt angenommen, und obwohl er seinem Verleger bereits am 17. November mitteilte: »,Der goldene Topf’ ist fertig«, existierte davon noch kein zusammenhängendes Stück.
Dringende Arbeiten für die »Allgemeine Musikalische Zeitung«, die Fortsetzung der Komposition der »Undine« und die Niederschrift des Tagebuches »Die Vision auf dem Schlachtfelde bei Dresden« (das als Broschüre bei Kunz erscheinen sollte) hielten ihn vorerst noch weiter auf. Erst am 26. November wurde, wie das Tagebuch ausweist, »das Märchen ,Der goldne Topf’ mit Glück angefang[en]«. Die Arbeit schritt in Dresden »mit Glück«, »fleißig , »in gemütlicher Stimmung , in rascherem Tempo aber erst nach der Übersiedlung nach Leipzig (9. Dezember) fort, obwohl auch hier wieder die Tage reichlich besetzt waren mit Theaterproben und -aufführungen. Am 13. Dezember konnte Hoffmann endlich mit der Reinschrift der ersten vier Vigilien beginnen, die er am Silvesterabend, »ohne Freunde wie ein ,Anachoret’ lebend«, beendete: »Abends an der Abschrift des Märchens geschrieben und aufs neue gefunden, daß es gut ist.«
Am 16. Januar 1814 schickte Hoffmann das fertige erste Drittel an Kunz. Im Begleitschreiben heißt es: »Ich glaube Ihnen eine Gemütsergötzlichkeit zu bereiten, wenn ich Ihnen anliegend die Reinschrift der ersten vier Vigilien meines Märchens sende, das ich selbst für exotisch und in der Idee neu halte; die Idee, die ich beabsichtigt, spricht sich im Anfange der Vierten Vigilie aus. Sie täten mir einen Gefallen, wenn Sie mir diese Reinschrift zurücksendeten - wollen Sie aber schnell den Druck beginnen, so können Sie sich darauf verlassen, daß meinerseits kein Aufenthalt verursacht werden soll, da ich unausgesetzt jetzt arbeite. Ich bemerke aber, daß ich noch mit mir uneins bin, ob ich es bei dem Titel belasse, dann aber auf Ihr und Wetzels Urteil submittiere, ob den Vigilien nicht mit Effekt kurze Inhaltsanzeigen vorzusetzen. Ich würde alsdann sie einrichten wie auf beiliegendem Blättchen.« Danach ging es laut Tagebuch zügig weiter voran: am 24. Januar wurde die Fünfte, am Abend des 25. die Sechste, am 7. Februar die »schwere Achte« und am 8. »die Zehnte Vigilie mit Glück gemacht«. Am 15. Februar endlich heißt es: »...das Märchen ,Der goldne Topf’ geendigt, und zwar mit Glück, in voller Gemütlichkeit beim Glase Punsch, den mir die Frau bereitet.«
Am 4. März übersandte Hoffmann dem Verleger »ohne Säumnis ... das vollendete Märchen mit dem herzlichen Wunsche, daß es ... in seiner durchgehaltenen Ironie Vergnügen gewähren möge«, und kam dabei nochmals, seine Originalität betonend, auf die ideelle Substanz zu sprechen: »Die Idee, so das ganz Fabulose, dem aber, wie ich glaube, die tiefere Deutung gehöriges Gewicht gibt, in das gewöhnliche Leben keck eintreten zu lassen ist allerdings gewagt und, soviel ich weiß, von einem teutschen Autor in diesem Maß noch nicht benutzt worden; Sie können mir auch glauben, teuerster Freund, daß ich mich recht in steter Spannung und Aufmerksamkeit erhalten mußte, um ganz in Ton und Takt zu bleiben. - Wie mir dieses nun gelungen, mögen meine Freunde beurteilen.«
Hoffmanns Märchendichtung »Der goldne Topf« wurde im Herbst 1814 als dritter Band der »Fantasiestücke« veröffentlicht.

Die Aufnahme in der literarischen Welt war geteilt; der Literaturkriker Wetzel begeistert sich über das Werk, »um auch jene auf ein Werk, das unter die Juwelen unserer Literatur gehört, aufmerksam zu machen, welche durchaus nicht an die Selbständigkeit der Poesie glauben wollen und denen man die lebendige Poesie schlechterdings erst in abstrakte Prosa übersetzen muß, wenn sie daran Gefallen finden sollen«. »Wenn es Werke des Genius gibt«, so leitet er seine Bewertung dieses »Märchens aus der neuen Zeit« ein, »die, gleich hoch über Lob und Tadel erhaben, den Maßstab, nach welchem sie zu messen sind, erst mit sich selbst auf die Welt bringen, so rechnen wir unbedenklich dieses wunderschöne Märchen zu jenen seltnen Geistesblüten. In der Tat wüßten wir neben ihm nichts zu nennen als Goethes berühmtes ,Märchen’ in den ,Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten' und Fouqués liebliche ,Undine’; doch übertrifft der ,Goldne Topf’ diese unstreitig noch an phantastischem Reichtum und kecker lebendiger Charakteristik. Die kühnste Phantasie, mit den gewagtesten Kombinationen, wie nur der Traum sie schaffen kann, in geisterhafter Lebendigkeit spielend, durchdringt sich in diesem wunderbaren Produkte mit dem reifsten Verstande und der klarsten Besonnenheit. Die dem Ganzen zugrunde liegende Idee ist mit ebenso streng philosophischer Konsequenz durchgeführt als mit der herrlichsten Ironie objektiviert und durch und durch beseelt, und die unvergleichliche Geschichte wird den ernsten Denker ebenso durch die geistreichste Planmäßigkeit und durch den Tiefsinn der Ideen ansprechen, als den oberflächlichsten Leser durch bezaubernde Anmut der Darstellung gewinnen und festhalten: was eben der Stempel eines echt poetischen Werkes aus gediegenem Golde ist ...» Und nun wieder mit mystizistischer Tendenz: es ist das wunderbare Geisterreich selber, was sich in lebendiger Gegenwart vor uns auftut. Es ist das Geheimnis aller Geheimnisse, das große Mysterium aller endlichen Schöpfung, des Abfalles und der Wiederkehr des Vergänglichen in das ursprüngliche Sein, woran dies Märchen erinnert. Auch einen schönen Hymnus auf die Poesie selber könnte man es nennen, denn es ist ein poetisches Gemüt, an welchem jene Verklärung des unscheinbaren Erdkeims zum Glanz uralter Seligkeit gefeiert wird. Der herrliche Mythus vom Phosphorus..., die Erzählung von der Liebe und den Leiden des Salamanders und die Geschichte des Studenten Anselmus ... ist im Grunde eine und dieselbe erhabene Allegorie des Abfalles und der ewigen Wiederkehr, alle drei Bilder bezeichnen die stufenweise Entfernung und Emanation des Endlichen aus dem Unendlichen...« Zur Wirklichkeitsauffassung bei Hoffmann schreibt Wetzel: »Zuerst spricht uns von allen Blättern die seltene Kunst an, womit der Dichter sein Märchen auf sicheren, wohlbekannten Boden fest gründet, ganz der Weise unserer gewöhnlichen Romantiker entgegen, bei denen alles in Nebel spielt und die ihre Dichtungen nach Spanien, Italien, Indien oder gar nach Utopien verlegen, weil sie der Kraft lebendiger Vergegenwärtigung ermangeln. Unsres Verfassers Märchen spielt in Dresden und in der neuesten Zeit, sein dreister Pinsel scheut auch die nächste Nähe nicht, und der Dichter treibt die Illusion so weit, daß man sich fast versucht fühlt, um nähere Auskunft über eins und das andere nach dem Orte selbst hinzuschreiben. Auch sind die Figuren seines Märchens mit so ergreifender Wahrheit, so hinreißender Natur gezeichnet, daß man schwören sollte, man habe sie gekannt und sei mit ihnen umgegangen. Demohngeachtet begleitet eine leise Geistermusik das Ganze vom Anfang zum Ende ... Mit unnachahmlicher Kunst ist das wechselweise Hervortreten der gemeinen und der Wunderwelt geschildert, je nach der innern Stimmung des Gemüts, nach der Beleuchtung von innen heraus, und wir erinnern uns kaum, den Zauber dieser Doppelanschauung von einem andern Dichter so geisterhaft und dabei so wahr dargestellt gefunden zu haben ... Hier entsteht alles, das Zarteste und Süßeste wie das Ungeheuerste und Entsetzlichste, unter unsern Augen, und wir sehen jeden Gedanken aus seinem Keim sich entwickeln und verfolgen jeden Zug bis zu seiner Urquelle. Herrlich ist es auch, wie die Nähe der Geisterwelt, die den Geweihten als seine eigentliche Heimat mit der höchsten Wonne und Klarheit erfüllt, in gemeinen Naturen nur dumpfen Rausch und trüben Wahnsinn entzündet (wie z. B. in der erwähnten Punschszene). Unübertroffen schön ist der Kampf des guten und bösen Prinzips (des Salamanders und der Alten) und die Wirkung und Gegenwirkung beider in Anselmus und Veronika in den geisterhaftesten Erscheinungen gemalt und wie zuletzt der schwarze Genius dem weißen, die Hexe dem Feuergeist, erliegt...«