Klein Zaches, genannt Zinnober

Ein Märchen,
herausgegeben von E. T. A. Hoffmann


Kassette mit 4 CD und 40seitigem Beiheft
zum Preis von € 33,25 - Nicht mehr lieferbar.

CD 1 Erstes Kapitel
Der kleine Wechselbalg. - Dringende Gefahr einer Pfarrersnase. 15:11
Wie Fürst Paphnutius in seinem Lande die Aufklärung einführte und die Fee Rosabelverde in ein Fräuleinstift kam. 22:52
Zweites Kapitel
Von der unbekannten Völkerschaft, die der Gelehrte Ptolomäus Philadelphus auf seinen Reisen entdeckte. - Die Universität Kerepes. 13:13
Wie dem Studenten Fabian ein Paar Reitstiefel um den Kopf flogen 12:03
und der Professor Mosch Terpin den Studenten Balthasar zum Tee einlud. 4:53 72:11
CD 2 Drittes Kapitel
Wie Fabian nicht wußte, was er sagen sollte - Candida und Jungfrauen, die nicht Fische essen dürfen. - Mosch Terpins literarischer Tee. 16:00
Der junge Prinz. 16:07
Viertes Kapitel
Wie der italienische Geiger Sbiocca den Herrn Zinnober in den Kontrabaß zu werfen drohte 9:51
und der Referendarius Pulcher nicht zu auswärtigen Angelegenheiten gelangen konnte. - Von Maut-Offizianten und zurückbehaltenen Wundern fürs Haus. - Balthasars Bezauberung durch einen Stockknopf 12:59
Fünftes Kapitel
Wie Fürst Barsanuph Leipziger Lerchen und Danziger Goldwasser frühstückte, einen Butterfleck auf die Kasimirhose bekam und den Geheimen Sekretär Zinnober zum Geheimen Spezialrat erhob. - 5:52
[Das Gespäch um den Doktor Alpanus] 7:30
Die Bilderbücher des Doktors Prosper Alpanus 10:30 78:49
CD 3 (noch Fünftes Kapitel) 11:37
Wie ein Portier den Studenten Fabian in den Finger biß, dieser ein Schleppkleid trug und deshalb verhöhnt wurde. - Balthasars Flucht. 11:37
Sechstes Kapitel
Wie der Geheime Spezialrat Zinnober in seinem Garten frisiert wurde und im Grase ein Taubad nahm. - Der Orden des Grüngefleckten Tigers. - Glücklicher Einfall eines Theaterschneiders. 17:27
Wie das Fräulein von Rosenschön sich mit Kaffee begoß und Prosper Alpanus ihr seine Freundschaft versicherte. 16:44
Siebtes Kapitel
Wie der Professor Mosch Terpin im fürstlichen Weinkeller die Natur erforschte. - Mycetes Beelzebub. 7:16
Verzweiflung des Studenten Balthasar - Vorteilhafter Einfluß eines wohleingerichteten Landhauses auf das häusliche Glück. - Wie Prosper Alpanus dem Balthasar eine schildkrötene Dose überreichte und davonritt. 17:23 70:37
CD 4 Achtes Kapitel 12:15
Wie Fabian seiner langen Rockschöße halber für einen Sektierer und Tumultuanten gehalten wurde. 12:15
Wie Fürst Barsanuph hinter den Kaminschirm trat und den Generaldirektor der Natürlichen Angelegenheiten kassierte. - Zinnobers Flucht aus Mosch Terpins Hause. - Wie Mosch Terpin auf einem Sommervogel ausreiten und Kaiser werden wollte, dann aber zu Bette ging. 14:34
Neuntes Kapitel 14:41
Verlegenheit eines treuen Kammerdieners - Wie die alte Liese eine Rebellion anzettelte und der Minister Zinnober auf der Flucht ausglitschte. 14:41
Auf welche merkwürdige Weise der Leibarzt des Fürsten Zinnobers jähen Tod erklärte. - Wie Fürst Barsanuph sich betrübte, Zwiebeln aß, und wie Zinnobers Verlust unersetzlich blieb. 17:44
Letztes Kapitel
Wehmütige Bitten des Autors. - Wie der Professor Mosch Terpin sich beruhigte und Candida niemals verdrießlich werden konnte. - Wie ein Goldkäfer dem Doktor Prosper Alpanus etwas ins Ohr summte, dieser Abschied nahm und Balthasar eine glückliche Ehe führte. 11:19 70:33

Der Dichter schreibt am 13. Juni 1818 an den Schauspieler und Theaterdirektor Franz von Holbein in Hannover: »Ich bin beinahe 3 Wochen hindurch an einer Verhärtung im Unterleibe gefährlich krank gewesen und liege noch im Bette - es geht aber besser - besser - besser - die Munterkeit des Geistes hat mich nie verlassen -«. - In dieser Zeit beschäftigt er sich mit dem Märchenstoff; die Ausarbeitung und Niederschrift findet zwischen Juni und Anfang Dezember 1818 statt. Hoffmann fordert am 4. September bei Leihbibliothekar Kralowsky das Buch des Mediziners und Verfassers philosophischer Schriften Johann Georg Ritter von Zimmermann »Über die Einsamkeit« (1784/85) an.
Das Märchen »Klein Zaches, genannt Zinnober« erschien im Januar 1819.
Hoffmann bedient sich als »humoristischer Schriftsteller« des zu hohen Staatswürden aufsteigenden Wechselbalges Klein Zaches, der sich selbst Zinnober nennt, um auf die Missstände bei der Berufung höherer Positionen hinzuweisen. Mit Hilfe der Märchenkulisse wird, nachdem der Zauber verflogen ist, am Ende alles zur Parodie. Er war zum damaligen Zeitpunkt als Kammergerichtsrat tätig und wurde bei seiner Arbeit mit den verschiedensten sozialen und politischen Problemen konfrontiert; er parodierte bei seiner Niederschrift die zur Genüge kennengelernten Praktiken preußischer Justizbehörden. Im Werk verballbornt er Verwaltung sowie den damaligen Begriff der Bildung. Sein Humor richtet sich gegen die Reglementierung der öffentlichen Meinung. Am Beispiel des Rektors in der Auseinandersetzung mit Fabian karikiert Hoffmann die studentische Deutschtümelei und verleiht der Figur Balthasar mit Ironie ein paar Akzente zuviel romantische Empfindelei und schwärmerische Traumseligkeit.
Hoffmann fasst im Entstehungsjahr dieses Märchens den Plan zu den »Serapionsbrüdern«, bringt den Ersten Band bis zum Ende des Jahres fast zum Abschluss und schreibt noch im Dezember die Erzählung »Die Bergwerke zu Falun«, außerdem beendet er den episch angelegten Dialog »Seltsame Leiden eines Theaterdirektors«, stellt die Kriminalnovelle »Das Fräulein von Scuderi« fertig und anschließend noch die beiden Erzählungen »Heimatochare« und »Der unheimliche Gast«; eine solche Produktivität des Dichters ist mehr als bemerkenswert.

Das Märchen »Klein Zaches, genannt Zinnober« erregte in den literarischen Kreisen seiner Zeit großes Aufsehen, wenn auch nur we­nige Stellungnahmen bekannt sind. Von namhaften Dichtern, Adelbert von Chamisso ausgenommen, fehlt jede Äußerung. Heinrich Heine hat das Werk in seinen «Briefen aus Berlin« flüchtig erwähnt (Dritter Brief, 7. Juni 1822). Hoffmann selbst schrieb am 27. Januar 1819 an Theodor Gottlieb Hippel: »Lies doch den Zinnober, das tolle Märchen wird Dir gewiß, ich darf es glauben, manches Lächeln abzwingen. Wenigstens ist es bis jetzt das humoristischste, was ich geschrieben, und von meinen hiesigen Freunden als solches anerkannt.«
In diesem Sinne äußerte sich im Februar 1819 Adelbert von Chamisso in einem Brief an Louis de la Foye: »Unser Hoffmann ist ... jetzt unstreitig unser erster Humorist. Er läßt den Hund Berganza von Cervantes, meinen Schlemihl und was alles nicht wieder auftreten in seinem ,Klein Zaches’ ...«

Die Resonanz in den Literaturjournalen und der Tagespresse war unterschiedlich und traf bei positivem Grundtenor und wohlwollenden Urteilen nicht den Kern des Werks. Keine der Äußerungen bezieht sich auf die dargestellten Themen, die Hoffmann in märchenhafter Szenerie lächerlich macht: Höflingswirtschaft, Untertanengeist, Reglementierung des Bildungswesens sowie überhaupt »sämtlicher öffentlicher Angelegenheiten« des Staates; die meisten Rezensenten halten sich in diesen Punkten weitgehend zurück. Es kommt zu einer allgemein formulierten Anerkennung der von Hoffmann märchenhaft-grotesk gestalteten »landläufigen Mißbräuche« und »menschlichen Torheiten«. Zumeist wird das humoristische Element als ausschließlich dominierendes verstanden und »Klein Zaches« als vordergründig »amüsantes« bzw. »ergötzliches« Kabinettstück aufgefasst.
»Der Verfasser ...«, heißt es in einer Rezension der »Zeitung für die elegante Welt« vom 16. März 1819 (Nr. 54), »bewegt sich in den heitern Regionen der Poesie mit so kräftigem Flügelschlage, dass man sich mit ihm dahingetragen fühlt, ohne es zu ahnen, und Gewinn und Vergnügen ganz in eins zusammenfallen. In dem an sich nicht ungewöhnlichen Lebensgange eines wunderlich verkrüppelten Wesens, dessen Name der Titel nennt und welches von der tiefsten irdischen Niedrigkeit sich bis zur höchsten irdischen Ehre durch den Zauber einer Fee emporschwingt ..., spiegeln sich so manche Torheiten unserer Zeit auf eine Art, welche verspottet und belustigt, rührt und erfreut, beruhigt und aufregt. ... Wenn man im Zweiten Kapitel die Schilderung der Leutchen liest, welche aus dem Tore von Kerepes herausspazieren, so stehen einem leibhafte Porträts vor Augen, deren Originale man sich oft gesehen zu haben erinnern muß. In dem Professor der Naturkunde, Mosch Terpin, ... ist die ganze Zunft der superklugen Alleswisser treffend persifliert. Die Beschreibung der Anstalten zu Verbannung des Wunderglaubens und Einführung der Aufklärung in den Staaten des Fürsten Paphnutius sind gleichfalls höchst ergötzlich. ... Die Stiftung des Ordens vom Grüngefleckten Tiger ist gleichfalls ein höchst amüsantes Kabinettstück, so wie dagegen die tiefe Gemütlichkeit, das seelenvolle Hineinschauen in ein der Natur mit edler Liebe zugewandtes Herz in Balthasars Charakterschilderung den erfreulichsten Kontrast bildet. Wir möchten gern noch manches aus dem geistreichen Büchlein abschreiben ... Die Verdienste des echten komischen Dichters um die Menschheit sind lange noch nicht hinreichend gewürdigt. Allein nach Durchlesung dieses Märchens lernt man einsehen, was es heiße, sich humoristisch über das Leben erheben, und wie erfrischend ein solch gelungener Versuch für Geist und Gemüt ist.«