Meister Floh

Ein Märchen in sieben Abenteuern
zweier Freunde von E. T. A. Hoffmann


Kassette mit 7 CD und 60seitigem Beiheft
zum Preis von € 47,50 - Nicht mehr lieferbar.

CD 1 Erstes Abenteuer 60:07
Worin der geneigte Leser so viel aus dem Leben des Herrn Peregrinus Tyß erfährt, als ihm zu wissen nötig. -
1      Es war einmal 6:43
2      Seine Stellung 5:44
3      Sein Herkommen 6:18
4      Seine Jugend 8:20
5      Die Rückkehr in das öde Haus 7:22
6 Die Weihnachtsbescherung beim Buchbinder Lämmerhirt in der Kalbächer Gasse 12:02
7 und Beginn des ersten Abenteuers. - Die beiden Alinen. 13:16
CD 2 Zweites Abenteuer 50:04
1 Der Flohbändiger. 13:03
2 Trauriges Schicksal der Prinzessin Gamaheh in Famagusta. - 12:13
3 Ungeschicklichkeit des Genius Thetel und merkwürdige mikroskopische Versuche und Belustigungen. 5:47
4 Die schöne Holländerin. - 8:43
5 und seltsames Abenteuer des jungen Herrn George Pepusch, eines gewesenen Jenensers. 9:49
CD 3 Drittes Abenteuer 54:40
1 Erscheinung eines kleinen Ungeheuers. - 8:33
2 Fernere Erläuterungen über die Schicksale der Prinzessin Gamaheh. - 15:25
3 Merkwürdiges Freundschaftsbündnis, welches Herr Peregrinus Tyß eingeht, und Aufschluß, wer der alte Herr ist, der in seinem Hause zur Miete wohnt - 17:05
4 Sehr wunderbare Wirkung eines ziemlich kleinen mikroskopischen Glasei - Unvermutete Verhaftung des Helden der Geschichte. 13:15
CD 4 Viertes Abenteuer 43:23
1 Unerwartetes Zusammentreffen zweier Freunde. 5:13
2 Der Rat Knarrpanti und seine peinlichen Grundsätze - 5:29
3 Liebesverzweiflung der Distel Zeherit. - 8:49
4      [Spaziergang in die Welt der Gedanken] 6:22
5 Optischer Zweikampf zweier Magier. - 7:45
6 Somnambuler Zustand der Prinzessin Gamaheh - Die Gedanken des Traums. - 4:28
7 Wie Dörtje Elverdink beinahe die Wahrheit spricht und die Distel Zeherit mit der Prinzessin Gamaheh von dannen rennt 5:17
CD 5 Fünftes Abenteuer 51:24
1 Merkwürdiger Prozeß und ferneres weises, verständiges Benehmen des Herrn Geheimen Hofrats Knarrpanti. - 16:42
2 Gedanken junger dichterischer Enthusiasten und schriftstellerischer Damen. - 5:10
3 Peregrinus' Betrachtungen über sein Leben und Meister Flohs Gelehrsamkeit und Verstand. - 12:45
4 Seltene Tugend und Standhaftigkeit des Herrn Tyß. - 10:01
5 Unerwarteter Ausgang eines bedrohlichen tragischen Auftritts. 6:37
CD 6 Sechstes Abenteuer 52:06
1 Seltsames Beginnen reisender Gaukler in einem Weinhause nebst hinlänglichen Prügeln. - 3:07
2 Tragische Geschichte eines Schneiderleins zu Sachsenhausen. - 4:01
3 Wie George Pepusch ehrsame Leute in Staunen setzt - 14:12
4 Das Horoskop. - 8:43
5 Vergnüglicher Kampf bekannter Leute im Zimmer Leeuwenhoeks. 17:09
CD 7 Siebtes Abenteuer 73:41
1 Feindliche Nachstellungen der verbündeten Mikroskopisten nebst ihrer fortwährenden Dummheit - 12:37
2 Neue Prüfungen des Herrn Peregrinus Tyß und neue Gefahren des Meisters Floh. - 10:56
3 Röschen Lämmerhirt - 10:47
4      [Die Liebe ist eine Himmelsmacht] 13:51
5      [Ihre Flohheit] 8:02
6 Der entscheidende Traum - 12:03
7 und Schluß des Märchens 12:33

Am 25. August 1821 schrieb Hoffmann an die Verlagsbuchhandlung der Gebrüder Wilmans in Frankfurt am Main: »Was das in Rede stehende Büchelchen betrifft, so habe ich vor einiger Zeit ein Märchen begonnen, das den Titel ,Meister Floh’ führen und durchaus humoristisch wie ungefähr ,Klein Zaches’ gehalten sein wird. Dies Märchen ... würde ich in weniger Zeit vollenden, so daß ... das kleine Buch wohl als Weihnachtsgeschenk erscheinen könnte. ... Wegen richtiger Lieferung des Manuskripts würde ich jetzt um so mehr mein sichres Wort geben können, als das mein ganzes Arbeitssystem zerstörende Geschäft, nämlich die Immediat-Kommission wegen demagogischer Umtriebe, bei der ich angestellt war, aufgehört hat.«
In einer Mitteilung vom 8. September sagte der Autor zu, »das fertige Manuskript des ,Meister Flohs’ zu rechter Zeit, d. h. Ende Oktober« zu liefern. Die Absendung der ersten zwölf Seiten des Manuskripts (Erstes und Zweites Abenteuer) erfolgte jedoch erst am 6. November. Im Begleitbrief zur Lieferung teilte er mit: »Eine Leberverhärtung (Folge des Stubensitzens und Mangels an Bewegung) hat mich an den Rand des Grabes gebracht. ... Den Gedanken kann man sich wohl nicht entschlagen, mag auch der Arzt sagen, was er will, und so habe ich denn auch im Bette den ,Meister Floh’ bis ins kleinste Detail in Gedanken fertiggemacht und glaube, daß die Unterbrechung doch die Herausgabe des Buchs nicht aufhalten wird. Die vollständige Skizze des Werks liegt vor mir, und so bedarf ich des fertigen Manuskripts nicht, um weiterzuschreiben.«
Die dritte Lieferung vom 12. Januar 1822 enthielt die Manuskriptseiten 25 bis 36. Er bemerkte dazu: »Sie ... würden schon heute den Schluß erhalten haben, wenn nicht einige Seiten des Manuskripts das Schicksal der Bücher in Pompeji gehabt hätten, wovon ich ein Pröbchen zu Ihrer Ergötzlichkeit beilege.« Eine Woche später reichte Hoffmann die Manuskriptseiten 37 bis 40 nach, wodurch das Fünfte und Sechste Abenteuer komplettiert waren.
Am 1. März 1822 schrieb der Dichter seinem Freund Julius Eduard Hitzig: »Ich habe gestern den völligen Schluß des Märchens diktiert. Aber nun ist mir himmelangst, daß man dem Schluß doch vielleicht die Schwäche des kranken Autors anmerken möchte, und geratener wär es in diesem Fall, denn doch das Ganze liegenzulassen; dann übersteigt aber auch die genaue Durchsicht des Mundi durchaus meine Kräfte. Sie, bester Freund, sind der einzige, zu dem ich meine Zuflucht nehmen kann. Schenken Sie mir morgen nachmittags ein Stündchen Ihrer freilich kostbaren Zeit, um die Reinschrift in jener doppelten Hinsicht durchzusehen. - Verlassen Sie mich diesmal nicht in arger Schwulität. - Noch immer bin ich matt und elend. - Noch einmal, verlassen Sie mich nicht.« -
Am 7. März ging dann die Sendung des Restmanuskripts an den Frankfurter Verleger ab. Hoffmann nahm wie in seinen vorhergegangenen Werken Anregungen aus Gotthilf Heinrich Schuberts »Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft« (Dresden, 1808) auf. So findet im »Meister Floh« unverkennbar eine Verdoppelung des »dualistischen Prinzips« statt. Es erscheint als »Kluft zwischen dem, was man will und was geschieht«, bzw. zwischen Schein und Sein im wirklichen Leben. Jeder der beiden Haupthelden, Peregrinus Tyß wie auch George Pepusch, sind auf der Suche nach seiner wahren Identität, seinem Ihm eigenen Ursprung und Mythus. Der Autor benimmt sich beim Erzählen der Geschichte wie der Protagonist »Meister Floh« selbst, der sein Völklein als ein Volk von lebensdurstigen »Springinsfelden« schildert. Von daher ist es so, dass die Erzählung nicht bruchlos verläuft; Hoffmann musste sich beim Fortspinnen der Erzählung allein auf sein Gedächtnis verlassen, da er die einzigen fertiggestellten Seiten sofort zum Satz abgab. Nur der Humor und die Charaktere halten alle Teile des Märchens zusammen und spannen ein enges Band.
Die Parodie auf das bornierte Gehabe naturwissenschaftlicher Detailkrämerei wird im »Meister Floh« zum Höhepunkt gebracht im Zweikampf der »Magier« und Wiedergabe der Forschungen mitsamt den Ausdeutungen.
Das »Gedankenmikroskop« des Meisters Floh verkörpert den möglichen Widerspruch zwischen Vorstellung und Wahrheit, Schein und Sein. Hoffmann offenbart sich hier als großer Schwänkeschreiber. In einer politischen Satire beschreibt der Dichter die Methoden der Demagogenverfolgung, deren Held der »nach dem Leben bezeichnete« Geheime Rat Knarrpanti ist. Der Direktor des Polizeiministeriums Carl Albert von Kamptz, der Minister des Innern Friedrich von Schuckmann sowie Staatskanzler Carl Fürst von Hardenberg hatten als Vertreter der Staatsräson richterliche Entscheidungen der ihrer Meinung nach zu lasch vorgehenden »Immediat-Kommission« außer Kraft gesetzt. Dazu bedienten sie sich der auf Order des Königs schon im Dezember 1820 eingesetzten Ministerial-Kommission, welche der »Immediat-Kommission« erst neben-, dann übergeordnet wurde.
Zur offenen Konfrontation mit dem durch fanatische Anwendung inquisitorischer Praktiken hervortretenden Direktor des Polizeiministeriums zu Berlin, als »Ordnungshüter« titulierten, Kamptz kam es, als Hoffmann - auch im Namen seiner Kollegen für die Freilassung der seit Juli 1819 in Haft befindlichen »Demagogen« Dr. phil. Ludwig Roediger, Dr. Friedrich Ludwig Jahn und Dr. jur. Ludwig von Mühlenfels wegen der Fragwürdigkeit des Beweismaterials eintrat, der Chef des Polizeidepartements dagegen unter Beibringung weiterer, angeblich belastender Materialien die Weiterinhaftierung durchsetzte.
Den inzwischen als »Seele der Demagogenverfolgung« berüchtigten Kamptz hatte sich Hoffmann durch einen besonderen Akt der Gerechtigkeit zum Feinde gemacht. Als »Mitkommissarius« der »Immediat-Kommission« war ihm der von Kamptz angestrengte Hochverratsprozeß gegen Jahn als auch dessen Privatklage gegen den Allgewaltigen übertragen worden. Kamptz hatte höchstpersönlich eine dem Verfahren vorgreifende Mitteilung über Jahn als »Verführer der Jugend« und »höchst gefährlichen, ja mordlüsternen Menschen«, dessen Schuld bereits erwiesen sei, in die Berliner Presse lancieren lassen. Hoffmann zitierte ihn vor die Schranken des Gerichts.
Am 10. Januar 1822 notierte Karl August Varnhagen von Ense in sein Tagebuch: »Hr. Kammergerichtsrat Hoffmann schreibt an einem humoristischen Buche, worin die ganze demagogische Geschichte, fast wörtlich aus den Protokollen, höchst lächerlich gemacht wird.« Nach Aussage mehrerer Zeugen muss der Dichter selbst in übermütiger Laune »seinen Abendgenossen in der bekannten Weinhandlung von Lutter und Wegener mit gewohnter Offenheit« von der beabsichtigten Parodie erzählt haben.
Auch Hoffmanns Freund und Biograph Hitzig versichert ausdrücklich: » wäre Hoffmann nicht so unvorsichtig gewesen, vorher davon zu sprechen, daß er dies und jenes in dem Buche persiflieren wolle, so würde kein Leser, bei der Ungründlichkeit des Publikums, das solche Schriften liest, gemerkt haben, wohinaus er gezielt.« (»Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß«, 1823, Zweiter Teil, S. 154.)
Kamptz, der eine Möglichkeit zur Revanche witterte, ging dem ihm zugetragenen Gerücht über die Verächtlichmachung der Demagogenuntersuchungen in Hoffmanns neuestem Märchen nach und konnte mühelos sowohl den Verlagsort als auch den Verleger ausfindig machen. Bereits am 17. Januar reiste ein Agent im Auftrage des Innen- und Polizeiministers mit einem »Requisitionsschreiben« zum Senat der Stadt Frankfurt am Main, um das Polizeigericht der »Freien Stadt« zur »Wegnahme der Hoffmannschen Schrift« zu veranlassen.
Dass Hoffmann inzwischen selbst etwas über die gegen ihn eingeleitete Polizeisaktion in Erfahrung gebracht hatte, belegt die im Begleitbrief zu seiner vorletzten Manuskriptsendung vom 19. Januar 1822 enthaltene Aufforderung an den Verleger, zwei genauestens benannte Textstellen zu streichen, da sie »gewisser Umstände halber großen Verdruß machen könnten.«
Aus der Feder des Poizeidirektors Kamptz stammt die Denkschrift vom 31. Januar 1822 an den Minister des Innern und der Polizei Schuckmann.
»Der von dem Kammergerichtsrat Hoffmann der Wilmansschen Buchhandlung zum Verlag gegebene Roman ,Meister Floh' ist weniger die Darstellung einer zusammenhängenden abgeschlossenen Begebenheit als vielmehr ein Vehikel, die verschiedenartigsten Gegenstände vorzutragen und zu persiflieren. - Unter diesen Gegenständen hat auch die hiesige Untersuchung der demagogischen Umtriebe ihren Platz erhalten. - Der Verfasser nimmt dazu die Veranlassung aus dem Vierten Abenteuer, nämlich aus dem über die Entführung eines Mädchens entstandenen Gerüchte ... - Im Fünften Abenteuer ... tritt er diesem Thema näher und verbreitet sich dabei insonderheit über die Untersuchung wider den Doktor von Mühlenfels auf eine unverkennbare Art. Die Immediat-Untersuchungs-Kommission wird unter dem Abgeordneten des Rats [Viertes und Fünftes Abenteuer] und die Ministerial-Kommission - oder wenigstens der Dezernent in derselben - unter dem Geheimen Hofrat Knarrpanti, jener (Herr p. Hoffmann als Inquirent selbst) in einem äußerst vorteilhaften, diese oder dieser dagegen in einem desto schlimmeren Lichte dargestellt. Nachdem das beobachtete Verfahren persifliert, das Benehmen des p. Mühlenfels aber sehr vorteilhaft geschildert worden, läßt der Verfasser ... den Meister Floh, um welchen dieser Roman sich besonders dreht, mit seinem magischen Glase erscheinen und durch dasselbe in die Seele des p. Knarrpanti blicken und in derselben die S. 27 [Fünftes Abenteuer: Merkwürdiger Prozeß und ferneres weises, verständiges Benehmen des Herrn Geheimen Hofrats Knarrpanti.] angeführten schändlichen und infamen Motive des letztem entdecken. - So wie der ganze Zusammenhang deutlich beweiset, daß der Kammergerichtsrat Hoffmann hierbei nur auf die obgedachte Untersuchung und die dabei interessierte Personen Rücksicht genommen habe, so ergibt sich dies auch daraus, daß die S. 26 des Manuskripts ausgehobenen Stellen insgesamt - anstatt Freiheit ist Entführung gesagt - teils dem Sinne nach, teils wörtlich aus den in Beschlag genommenen Papieren entlehnt worden; insonderheit ist die S. 26, Zeile 22 und 23 ausgehobene Stelle: ‚Heute war ich mordfaul!' buchstäblich aus dem Tagebuch des [seit 1819 bis 1820 in Berlin in Haft genommenen stud. jur. Gustav] Asverus genommen ...«
Es entwickelte sich aus diesem »Injurium« ein sehr ernst zu nehmendes Diziplinarverfahren gegen den Kammergerichtsrat Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, dem er letzlich daurch entging, dass er am 25.Juni 1822 verstarb, nachdem er kurz zuvor die Drucklegung des Märchens noch erlebt hatte.
Die im Zusammenhang mit den während der Entstehung des »Meister Floh« gegen Hoffmann in Gang gesetzten Polizeimaßnahmen, führten dazu, dass das Werk im April 1822 nur in einer verstümmelten Fassung erscheinen konnte. Dies hatte in weiten Kreisen Berlins und über die preußische Hauptstadt hinaus die Gemüter erregt. Wie der gut informierte Karl August Varnhagen von Ense zu berichten weiß, haben z. B. namhafte Mitglieder der 1809 ins Leben gerufenen sogenannten »Gesetzlosen Gesellschaft« in Berlin, der er selbst angehörte, ihr Votum für Hoffmann abgegeben. Namentlich genannt wurde aus dieser Vereinigung von Honoratioren der Geheime Legationsrat im Ministerium des Auswärtigen Johann Albrecht Friedrich Eichhorn (1779 bis 1856), der seiner Haltung mit den Worten Ausdruck verlieh, dass er an Hoffmanns Stelle (wäre er selbst Mitglied der Immediat-Kommission gewesen) ebenso »diese lächerlichen Untersuchungen in ihrem lächerlichen Lichte gezeigt und verspottet haben würde (»Tagesbemerkungen«, 2. Februar 1822). Varnhagen berichtete weiter, dass auch der bekannte Staatsrat und Universitätsprofessor Dr. med. Christoph Wilhelm Hufeland für Hoffmann Partei ergriff. In Varnhagens Gegenwart habe der Königliche Leibarzt »stark auf die albernen Verfolgungen des Hoffmannschen Buches reagiert und bedauert, »daß man es nun gar nicht, oder doch verstümmelt zu lesen bekommen werde. Die Regierung werde durch Gewaltschritte gegen einen so angesehenen Mann und angesehenen Schriftsteller nur blamiert ...» (»Tagesbemerkungen«, 9. Februar 1822). Ebenfalls nach Informationen Varnhagens äußerte der Theologe und Philosoph Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher: » ... wenn der Kammergerichtsrat Hoffmann durch Kabinettsordre entlassen würde, müßte das Kammergericht [wegen gleicher Gesinnung] abdanken; und täte dieses das nicht, sondern schwiege zur Sache, so würde er wenigstens dieses Gericht in allen vorkommenden Fällen verwerfen und sich dessen Gerichtsbarkeit versagen« (»Tagesbemerkungen«, 14. Februar 1822). -
Selbst der Generaladjutant des preußischen Königs, Jost von Witzleben (1783-1837), soll auf die Fürsprache von Hoffmanns Freund Theodor Gottlieb Hippel hin bei Friedrich Wilhelm III. im Interesse des Dichters vorstellig geworden sein.
Das »Literarische Konversationsblatt« (Nr. 170) brachte am 24. Juli 1822 eine kurze Besprechung des »Meister Floh«. »Der wackere Humorist, der, seit ihn ein hochbewunderter Meister [Jean Paul] bei dem gebildeten Publikum einführte, der vollgültigen Empfehlung sich besonders würdig erwiesen, dünkt uns gerade im Fache des muntern, phantastischen Märchens, voll erfreulicher Anspielungen, vorzüglich an seinem Platze gewesen zu sein. Diese Flohhistorie dürfte leicht zu den freundlichsten einer Gattung gehören, deren Urheber man den Verfasser selbst nennen kann. Eingehend auf die angeblich für den Autor typischen Eigenheiten, heißt es weiter: »Der seltsame Wahn, den Hoffmann häufig in die durch ihn gezeichneten Charaktere hineinspielen läßt, findet sich auch hier in einer recht ergötzlichen Art wieder, und wo wäre den dargestellten Personen ein traumgleicher Zustand wohl erlaubter als in einem Werke, das unter dem bescheidnen Titel eines Märchens dargeboten wird?«
Am 26. Juli 1822 veröffentlichte das »Morgenblatt für gebildete Stände im beigefügten »Literaturblatt (Nr. 60) eine ausführliche, fünf Spalten lange Rezension des Werkes. »Was ist der Humor? Gleichnisweise zu reden, ein Floh, der karikierte Gebärden und hohe, lustige Sprünge macht, auch mitunter ein wenig sticht, ohne schmerzlich zu verwunden.« Diese gefällige rhetorische Wendung verbindet der Verfasser mit einer Betrachtung der von dem Berliner Kupferstecher Carl Friedrich Thiele geschaffenen Umschlagzeichnung, auf der ein Floh abgebildet ist »in kolossaler Größe, wie seinesgleichen unter einem tüchtigen Mikroskop sich ausnimmt, und - was das possierlichste bei der Sache ist - er steht auf den Hinterbeinen aufrecht wie ein Mensch«. Bezug nehmend auf die von den Eingeweihten erwartete politische Satire heißt es zunächst: »Das Gerücht sagt, daß unser Meister Floh, ehe er frei in die Buchläden hüpfen durfte, eine Untersuchung von seiten der Geheimen politischen Literaturpolizei habe passieren müssen.« Der Rezensent weist auf die Erklärung hin, welche Meister Floh dem Peregrinus Tyß über den gesellschaftlichen Status des Flohvolkes gibt, das sich durch seinen »unbezähmbaren Freiheitssinn« auszeichne, und fährt fort: »Es freut uns, daß diese Stelle der Untersuchungskommission keinen Anstoß gegeben hat, und daß es sonach dem Volke der Flöhe nicht verargt wird, wenn es fortfährt, in republikanischer Verfassung zu leben.« - »Hoffentlich«, heißt es weiter, »wird der weise Floh, welcher der Genius vom Helden dieses Märchens ist, durch die Usurpation des Titels Meister auch nicht in den Verdacht kommen, diejenigen geheimen Republiken [gemeint sind die Freimaurerlogen] parodieren zu wollen, welche von weisen, erhabenen, ehrwürdigen etc. Meistern regiert werden.«