Die Abenteuer der Silvesternacht


Jewel-Box mit einer CD und 16seitigem Beiheft
zum Preis von € 9,25 - Nicht mehr lieferbar.

1 Vorwort 1:09
2 Die Geliebte 11:52
3 Die Gesellschaft im Keller 12:13
4 Erscheinungen 9:33
Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde
5     Erasmus Spikher in Florenz 11:34
6     Die Eifersucht 8:18
7     Die Flucht 4:20
8     Zurück in der Heimat 9:59
9     Die Versuchung 7:46
10 Postskriptum des reisenden Enthusiasten 0:59

                                   Die Abenteuer der Silvesternacht

Als Hoffmann am 1. Januar 1815 in sein Tagebuch eintrug: »... gearbeitet an der Erzählung [»Die Abenteuer der Silvesternacht«]«, war er schon ein Vierteljahr zurück in Berlin und dort in seinem juristischen Beruf tätig - wenn auch vorerst nur als unbezahlter »Mitarbeiter mit beratender Stimme« am Kammergericht, seit 1. November beim Kriminalsenat.
Die Anregung zu seinem »Berliner Märchen« fand der Dichter im neuen Berliner Freundeskreis. Bereits einen Tag nach Hoffmanns Ankunft aus Leipzig (26. September 1814) harte Eduard Hitzig zu Ehren des Verfassers der »Fantasiestücke« eine Gesellschaft arrangiert, auf der dieser mit den Vorbildern seiner späteren »Serapionsbrüder« bekannt wurde u. a .mit Adelbert von Chamisso. Hitzig erinnert sich noch zwölf Jahre später daran, wie sehr Chamissos Märchenerzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte« (erschienen 1814) Hoffmann beeindruckte und das literarische Gegenstück »Die Abenteuer der Silvesternacht« initiierte: »Nie werde ich die Stunde vergessen, in welcher ich es Hoffmann zuerst vorlas. Außer sich vor Vergnügen und Spannung, hing er an meinen Lippen, bis ich vollendet hatte; nicht erwarten konnte er, die persönliche Bekanntschaft des Dichters zu machen; und sonst jeder Nachahmung so abhold, widerstand er doch der Versuchung nicht, die Idee des verlorenen Schattens in seiner Erzählung ,Die Abenteuer der Silvesternacht’ durch das verlorne Spiegelbild des Erasmus Spikher ziemlich unglücklich zu variieren.« (Brief an Fouqué, abgedruckt in der zweiten Auflage des »Schlemihl«, 1827.)

Hoffmann hat indes das bei Chamisso entlehnte Motiv in durchaus eigenständiger Weise verarbeitet. In der Rahmenerzählung trifft der »reisende Enthusiast« auf der Flucht vor der mysteriös-banalen Teegesellschaft der Silvesternacht (erster Teil: »Die Geliebte«) mit Chamissos »Mann ohne Schatten« und Spikher, dem Helden ohne Spiegelbild der am Schluss folgenden Novelle, zusammen (zweiter Teil: »Die Gesellschaft im Keller«). Der dritte Teil (»Erscheinungen«) leitet zum eigentlichen Hauptstück, zur Novelle, über: er spielt in der realen Welt von Hoffmanns »altem Freund« und Quartierwirt Mathieu vom »Goldenen Adler«. Schon der erste Teil der Rahmenerzählung bringt eine verfremdende spukhafte Variante in das biographische Julia-Bild (Julie Mark), die dann in der novellistischen »Geschichte vom verlornen Spiegelbilde« in florentinischer Umgebung gespenstisch dominiert (Giuletta). In nicht mehr als sechs Tagen hat Hoffmann das Stück »mit Glück beendigt« (so ein Eintrag im Tagebuch, 6. Januar), vom 7. bis 8. Januar ins reine geschrieben und am Abend des 13. Januar im Kreise der Freunde (»Chamisso, Hitzig, Contessa bei mir«) vorgelesen. Am 14. Januar 1815 schickte er das Manuskript über den Bamberger Freund Speyer zum Druck an den Verleger Kunz, vermutlich zusammen mit einer selbst angefertigten Zeichnung von Chamissos »Grauem Mann«, dem »bösen Prinzip« aus dem »Schlemihl« (das in Hoffmanns Novelle in potenzierter Form durch den verbrecherischen und mephistophelischen Dapertutto verkörpert wird).

In der Erstausgabe der »Fantasiestücke« eröffneten »Die Abenteuer der Silvesternacht« den vierten Band, der im Frühjahr 1815 erschien. Für die Ausgabe letzter Hand (1819) hat Hoffmann den Text, der im übrigen nur geringfügig vom Erstdruck abweicht, stilistisch überarbeitet.

                                                 Wirkung

Clemens Brentanos nicht abgesandter Brief an Hoffmann vom Januar 1816 (Hoffmann erfuhr den Inhalt mündlich bei einer persönlichen Begegnung) enthält ein schwärmerisches Bekenntnis, veranlasst durch die Lektüre des vierten Buches der »Fantasiestücke« Der Schreiber identifiziert sich darin geradezu ekstatisch mit dem Autor (»als hätte er es selbst geschrieben«), bei nur wenigen, durch seinen bevorstehenden Übertritt zum Katholizismus motivierten Vorbehalten: »Vieles hat mich geärgert durch Spannung, die nicht den Pfeil in den Himmel treibt, um ihn geheiligt bei der Rückkehr im Herzen aufzufangen. Auch Sie wissen nicht, was Sie tun, denn Sie wissen, welche Musik Ihr Musikfeind (mit das liebste) liebt, ja Sie scheinen einig mit ihm, er bin ich ganz ...« Und nach weiteren dithyrambischen Exkursen fährt Brentano fort: »Was Sie geschrieben, hat mich mannigfaltig gefreut, aber daß Sie es getan, ebensosehr verwundert, denn stellen Sie sich vor [bezogen auf die »Abenteuer der Silvesternacht«], ich möchte die Lichter ausputzen, meinen Schatten nicht zu sehen, die Spiegel verhängen, das Spiegelbild nicht zu erblicken; und dieser Schatten, dieses Spiegelbild von mir in Ihrem Buch hat mich darum oft geängstet, weswegen ich nicht begreifen kann, daß Sie das Ihre selbst drin sehen und zeigen mochten. ... Lieber Hoffmann, warum haben Sie den armen Spikher seine Unschuld nicht wiederfinden lassen, und zwar durch Jesum, ich möchte schier Ihr Werk ausführen, wenn die Laune drin nicht wie ein Maulwurf um die Tiefe spielte ... «