Friedrich (Heinrich Karl)
Baron de la Motte Fouqué,

   Baron de Thonnayboutonne, Baron de Saint Surin, Seigneur de la Grève wurde am 12. Februar 1777 auf der Dominsel in Brandenburg geboren. Sein Taufpate war Friedrich II. von Preußen. Er verlebte seine Kindheit auf dem elterlichen Gut in Sacrow bei Potsdam. Seine Hauslehrer waren Wilhelm Heinrich Albrecht Fricke, ab 1783 Ditherich Arnold Friedrich Sachse, von 1789 an August Wilhelm Hülsen; bis zu dessen Tode im Jahre 1810 blieb eine tiefe Freundschaft erhalten. Im Jahre 1787 erfolgte der Umzug nach Potsdam. Im Jahre 1788 wurde auf Gut Lentzke bei Fehrbellin Wohnung genommen; am 28. November starb die Mutter, Marie Luise, geb. von Schlegell. Fouqué trat im Jahre 1794 als Kornett in das Kürassierregiment Herzog von Weimar der preußischen Armee ein und nahm in der sog. Weserarmee teil am Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich.
   Im Mai 1795 traf Fouqué auf einer Gartengesellschaft Elisabeth von Breitenbauch und verliebte sich in die 15jährige. Sie wurde das Urbild der Undine und vieler anderer Frauengestalten im Werk Fouqués.
   Am 25. Januar 1798 starb der Vater Heinrich August Karl. Am 20. September heiratete er Marianne von Schubaert (1783 - 1862), die Tochter seines Regimentskommandeurs in Bückeburg. Die junge Familie kehrte 1799 zurück nach Lentzke. In das Jahr 1802 fiel ein Besuch in Weimar; er traf mit Goethe, Schiller und Herder zusammen, in Berlin mit August Wilhelm Schlegel. Er ließ sich von seiner Frau Marianne scheiden.
   Am 8. November 1802 nahm er Abschied von der Armee. Im Dezember 1802 siedelte er auf das Gut Nennhausen bei Rathenow über, das der Familie von Briest gehörte. Daneben hatte er noch eine Wohnung in Berlin. Am 9. Januar 1803 wurde die Heirat mit Caroline Philippine von Rochow, geb. von Briest (1774 - 1831) in Nennhausen gefeiert. In Dresden begegnete er Heinrich von Kleist, Ludwig Tieck und Philipp Otto Runge; im Laufe der Reise traf er in Lauchstädt Schiller. Am 13. September 1803 wurde die Tochter Marie Luise Caroline (1803 - 1864) geboren, August Wilhelm Schlegel war der Taufpate.
   Als erste Publikation erschienen: »Der gehörnte Siegfried in der Schmiede« und zwei dialogische Gedichte in Friedrich Schlegels Zeitschrift »Europa«. Vom Jahre 1804 an entwickelte sich das Leben in Nennhausen zum literarischen Zentrum. Es entstand ein Kreis mit Achim von Arnim, Clemens von Brentano, August Bernhardi, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Johann Gottlieb Fichte, Heinrich von Kleist, Otto Heinrich von Loeben, Adam Müller, Wilhelm Neumann, Wilhelm von Schütz, Karl Varnhagen von Ense, Julius Eduard Hitzig u.a.
   Durch August Wilhelm Schlegel mit den »Dramatischen Spielen« in die Literatur eingeführt, trat er mit den »Romanzen vom Thal Ronceval« (1805), dem Roman »Historie vom edlen Ritter Galmy und einer schönen Herzogin von Bretagne« (1806), dem Roman »Alwin« (1808) und dem Heldenspiel »Sigurd, der Schlangentöter« (1808) hervor. Der mit Bernhardi, Chamisso, Neumann und Varnhagen verfasste parodistische Roman »Die Versuche und Hindernisse Karls« erscheint im Jahre 1808.
Bis 1808 veröffentlichte er nur unter dem Pseudonym ,Pellegrin'.
   In das Jahr 1809 fiel die Übersetzung von Cervantes Trauerspiel »Numancia«. Ein Jahr später erschien »Der Held des Nordens«. In diese Zeit fiel die Mitarbeit an den »Berliner Abendblättern« Heinrich von Kleists. Ab 1811 gab Fouqué die Zeitschrift »Die Jahreszeiten« heraus. Im ersten Heft vom Juni 1811 erschien »Undine«. Von 1812 bis 1814 war er Herausgeber der Publikation »Die Musen. Eine norddeutsche Zeitschrift« zusammen mit Wilhelm Neumann. Im Jahre 1813 erschien der Ritterroman »Der Zauberring«. Patriotismus führte ihn in die Reihen der preußischen Armee; mit einer Eskadron freiwilliger havelländischer Jäger, dem 6. Brandenburgischen Kürassierregiment angegliedert, zog Fouqué als Leutnant in den Krieg gegen Napoleon. Eine schwere Erkrankung zwang Fouqué zum Abschied von der Armee; er wurde als Major entlassen.
   Fouqué gab im Jahre 1814 Adelbert von Chamissos »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« heraus. Es folgten »Die Fahrten Thiodulfs, des Isländers« (1815). Das »Taschenbuch der Sagen und Legenden« erschien in der Frist von 1812 bis 1817 zusammen mit Amalie von Helwig. Desweiteren entstanden »Die Kleinen Romane« (1814-19, 6 Bde.), »Sängerliebe« (1816), »Die wunderbaren Begebenheiten des Grafen Alethes von Lindenstein (1817)«, die Schauspiele »Alf und Yngwi«, »Die Irmensäule«, »Runenschrift«, die Rittertragödien »Die Pilgerfahrt«, »Der Jarl der Orkneyinseln«, die epischen Gedichte: »Corona« ( 1814), »Karls des Großen Geburt und Jugendjahre« (1814), »Bertrand du Guesclin« (Leipzig 1821), sowie kleinere Erzählungen, Dramen und Abenteuer.
   Bis 1816 blieb er Herausgeber des »Frauentaschenbuchs« mit seiner Frau Caroline, Ludwig Uhland, Friedrich Kind und Franz Horn. Von 1816 bis 1821 betätigte er sich als Herausgeber der Vierteljahresschrift »Für müßige Stunden«. Am 3. August 1816 erfolgte die Uraufführung der Oper »Undine« (Libretto von Fouqué, Musik von E.T.A. Hoffmann, Dekorationen von Schinkel, Kostüme von Brühl) im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Im Jahre 1818 traf ihn ein Schlaganfall. Danach verlor Fouqués dichterische Produktion alle Frische, der Publikumserfolg blieb aus.
   Von 1829 bis 1830 betätigte er sich als Herausgeber der Wochenschrift »Berlinische Blätter für deutsche Frauen«. Seine Frau Caroline de la Motte Fouqué starb 21. Juli 1831 in Nennhausen.
Am 25. April 1833 heiratete er in Berlin Albertine Maria Tode (1806 - 1876). Er siedelte nach Halle um und hielt dort Privatvorlesungen über Literatur und Zeitgeschichte. Er verfasste »Ritter Elidouc, altbretagnische Sage« (1823), »Die Saga von Gunlaugar, genannt Drachenzunge, und Rafn dem Skalden. Eine Islandskunde des 9. Jahrhunderts« (1826), »Jakob Böhme, ein biographischer Denkstein« (1831), »Die Weltreiche zu Anfang der Jahre 1835-40, Dichtungen« 1835 - 40, 6 Hefte), »Preußische Trauersprüche und Huldigungsgrüße für das Jahr 1840«, »Der Pappenheimer Kürassier; Szenen aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs« (1842).
   Am 22. Oktober 1834 wurde eine Tochter in Halle geboren, die noch am gleichen Tage verstarb; am 29. Oktober 1839 wurde der Sohnes Karl Friedrich Wilhelm (1839 - 1874) geboren.
   Die äußeren Lebenssorgen wurden durch die Munifizenz (Leibrente) Friedrich Wilhelms IV. von Preußen im Jahre 1840 aufgehoben, als er wieder nach Berlin übersiedelte. Er gab (in Gemeinschaft mit Ludwig von Alvensleben ) die »Zeitung für den deutschen Adel« (Leipzig 1840-42) heraus. Fouqué starb verlassen und vergessen am 23. Januar 1843 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte, Kleine Rosenthaler Straße, Ecke Linienstraße.

Literatur:
Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd. 6, S. 468
Arno Schmidt: Fouqué und einige seiner Zeitgenossen (Bläschke 1958; 2. verbesserte und beträchtlich vermehrte Aufgabe 1960) und in der Bargfelder Ausgabe als III/1 (1993)