Sonett: »Es ist alles eitel«, Das Erste Buch, Sonett Nr. 8
Andreae Gryphii Deutscher Gedichte / Erster Theil. Darin Sonnete. Das Erste Buch. Sonnete. Das Ander Buch. Sonnete. Das Dritte Buch. Sonnete. Das Vierte Buch. Oden. Das Erste Buch. Oden. das Ander Buch. Oden. Das Dritte Buch. Thränen über das Leiden JEsu Christi. Oder seiner Oden. Das Vierdte Buch. Kirchhoffs-Gedanken. Breslau 1657

 

Andreas Gryphius

Andreas Gryphius wurde geboren am 2. Oktober 1616 in Glogau, Schlesien (heute Glogów, Polen); er verstarb am 16. Juli 1664 ebenda. Er war der jüngste Sohn des Glogauer Archidiakons Paul Gryphius aus dritter Ehe mit Anna Erhard. Sein Vater starb am 5. Januar 1621. Die Mutter heiratete den Lehrer Michael Eder. Die Eltern wurden aus Glogau vertrieben, sein Stiefvater wurde in Driebitz Pfarrer und zog 1631 nach Fraustadt (heute Wschowa, Polen); er selbst konnte das Gymnasium in Glogau bis 1628 besuchen. Am 21. März 1628 starb seine Mutter. 1629 bis 1631 genoss er Privatunterricht bei seinem Stiefvater in Driebitz. Sein Stiefvater heiratete am 2. Sep­tember 1639 in Fraustadt Maria Rißmann, die er später »Mater dulcissima« [süßeste Mutter] nannte. Von 1632 bis 1634 besuchte er das Gymnasium in Fraustadt. Sein erstes Frühwerk schuf er im Herbst 1633: »Herodis Furiae, et Rachelis lacrimae« [Der Zorn des Herodes und die Tränen der Rachel], das 1634 in Druck genommen wurde. In den Jahren 1634 bis 1636 studierte er am Akade­mi­schen Gymnasium zu Danzig, wo er Martin Opitz (1597 - 1639) kennenlernte. In das Jahr 1635 fällt sein zweites Herodes-Epos: »Dei Vindicis Impetus et Herodes Interitus« [Der vorhergesagte gewaltsame Angriff Gottes und des Untergang des Herodes]. Dann ging er als Hauslehrer auf das Gut der Familie Georg Schönborners, Ritters von Schönborn nach Freystadt. Am 2. Februar 1637 starb seine Stiefmutter Maria Eder, was ihn tief traf.
Freystadt brannte in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 1637 nieder; Gryphius schildert die Not in der Schrift »Fewrige Freystadt« [Feuriges Freistadt]. in diesem Jahr erschien ein Erstdruck seiner Sonette in Lissa. Sein Wirken wurde belohnt durch die Dichterkrönung und Ernennung zum Magister am 30. November 1637 durch Ritter Georg von Schönborner. Dieser starb betrauert am 23. Dezember 1637; Gryphius Leichenrede »Brunnen-Discurs« wurde nachfolgend veröffentlicht.
1638 begleitete Gryphius zwei Söhne seines Mäzens Schönborner auf deren Kavalierstour durch die Niederlande und an die Universität zu Leyden. Er verblieb mit seinen Zöglingen an der Universität und studierte bis 1644 dort, vornehmlich Naturwissen­schaften, Medizin und Staatsrecht. Seine bedeutendsten Lehrer waren Daniel Heinsius, der sich ebenfalls lyrisch betätigte, Claudius Salmasius und Johannes Vossius. Unter dem Einfluss des Kollegs von Vondel beschäftigte er sich mit dem Drama als epischer Gestaltungsform; er übersetzte die »Gebroeders« [Gebrüder] von Vondel ins Deutsche unter dem Titel »Die Gibeoniter«. Bereits kurz nach seinem Studienbeginn freundete er sich mit Christian Hofmann von Hofmannswaldau an. Im Jahre 1639 wurde in Leyden die »Son- und Feyrtags Sonnete« herausgegeben.
Ein Jahr später starb sein Halbbruder Paul Gryphius, der, aus Freystadt vertrieben, in Crossen als Superintendent amtiert hatte.
1643 erschienen eine Reihe von Veröffentlichungen aus seiner Feder: »Sonnete. Das Erste Buch«, in welchem die bereits erschienenen Sonette Aufnahme fanden; »Oden. Das Erste Buch«; »Epigrammatum. Liber I.« in Latein; »Epigramme. Das erste Buch«.
In den Jahren von 1644 bis 1646 fand man ihn auf Bildungsreise mit Wilhelm Schlegel nach Frankreich und Italien. In Paris besuchte er den Rechtsgelehrten Hugo Grotius; bei einigen Diskussionen äußerte er sich kritisch über die die Tragödien des zeitgenössischen französischen Dichter Corneille (1606 - 1684). Über Angers und Marseille ging die Reise weiter nach Florenz, im Februar 1646 trafen die Reisenden in Rom ein. Nach einigen Monaten Aufenthalts zog man weiter nach Norden über Bologna und Ferrara nach Venedig. Hier machte Gryphius Bekanntschaft mit der »Commedia del’arte« [Freistil-Komödie mit festen Figuren, dem heutigen Kasperle-Spiel vergleichbar] und der Oper. Das in Latein verfasste Epos »Olivetum« [Der Ölgarten, der Ölberg] widmete er dem Senat von Venedig. Auf der Rückreise hielt er sich dann bis Mai 1647 an der Universität Straßburg auf. Hier vollendete er sein erstes Trauerspiel »Leo Arminius«, das im Jahre 1650 veröffentlicht wurde. Anschließend reiste er den Rhein hinab nach Holland, von dort ging es weiter nach Stettin, das er im Juli 1647 erreichte. Hier fand er die Muße, sein Werk »Catharina von Georgien oder Bewährete Beständigkeit« fertig­zustellen, das im Jahre 1657 in Druck genommen wurde. Im November des Jahres kehrte er nach Fraustadt zurück.
Am 12. Januar 1649 heiratete Andreas Gryphius in Fraustadt Rosina Deutschländer. Mit ihr hatte er vier Söhne und drei Töchter. Vier der Kinder verstarben in frühen Kindesjahren, die Tochter Rosina erkrankte im Alter von fünf Jahren und blieb körperlich und geistig unheilbar, der Sohn Daniel starb mit 24 Jahren auf einer Reise nach Neapel.
Sein ältester Sohn Christian Gryphius (29. September 1649 - 1706) sollte später das Werk seines Vaters als Rektor des Magdalenengymnasiums zu Breslau (heute: Wroclaw, Polen) überarbeiten und bis zum Jahre 1698 veröffentlichen.
Von 1648 bis 1650 entstanden die Trauerspiele: »Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus«, gedruckt 1657; »Cardenio und Celinde«, gedruckt 1657; sowie die Lustspiele »Absurda Comica oder Herr Peter Squenz«, gedruckt 1658; »Horribilicribrifax«, gedruckt 1663.
Berufungen als Dozent an die Universitäten Heidelberg, Frankfurt an der Oder und Upsala lehnte er ab. Er nahm stattdessen das ihm angebotene Amt des Syndikus der Landstände des Fürstentums Glogau an.
Bereits im Jahre 1657 kam eine Gesamtausgabe seiner Werke zustande, siehe hierzu die Bibliographie (FolgeSeite). In das Jahr 1659 fällt das Trauer­spiel »Großmütiger Rechts-Gelehrter oder sterbender Aemilius Paulus Papinianus«. Ein Jahr später entstanden die Mischspiele: »Das verliebte Gespenst« und »Die geliebte Dornrose«, aufgeführt zu Ehren des des Herzogs Georg III. von Brieg und seiner Braut Maria Charlotte von Pfalz-Simmern. 1662 wurde Gryphius durch Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar in die »Fruchtbringende Gesellschaft« aufgenommen; sein Name in dieser Gesellschaft war »Der Unsterbliche«. Im Köthener Gesellschafts­buch findet sich Gryphius' Eintrag unter der Nr. 788. Dort ist auch das ihm verliehene Motto wegen verborgener Kraft und das ihm zugedachte Emblem »Orant« [Sie beten] zu finden.
In das Jahr 1663 fällt die Ausgabe seiner Werke in letzter Hand.
Gryphius starb am 16. Juli 1664 während einer Sitzung der Landstände.