Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff wurde am 29. November 1802 in Stuttgart geboren als Sohn des Regierungs-Sekretarius August Friederich Hauff. Seine Mutter war die Tochter des Regierungs- und Apellationsrates Karl Friedrich Elsässer in Tübingen; die Ehe war im August 1799 geschlossen worden. Wenige Monate nach der Hochzeit wurde Hauff auf Befehl des Herzogs Friedrich wegen des Verdachts auf umstürzlerische Gedanken für neun Monate auf der Festung Hohenasperg eingekerkert, nach nachgewiesener Unschuld entlassen und in das vorige Amt wieder eingesetzt. Im Jahre 1806 siedelte die Familie über nach Tübigen über, wohin der Vater als Sekretär am Oberapellations-Tribunal versetzt worden war. Zwei Jahre später erhielt er eine Stelle als Geheimer Kabinetts-Ministral-Registrator (Geheimsekretär) am Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten, was den Wechsel der Wohnung nach Stuttgart notwendig machte. Im Februar 1809 verstarb der Vater im Alter von nur 39 Jahren, seine Witwe zog mit ihren vier Kindern (Hermann geb. 1800, Wilhelm geb. 1802; Marie geb. 1806; Sophie, geb. 1807) zu ihrem Vater Karl Friederich Elsässer nach Tübingen. Hauff besuchte bis 1817 die Lateinschule in Tübingen; seine Leistungen in den alten Sprachen wurden als nur mittelmäßig bezeichnet, die deklamatorische Begabung wurde hingegen herausgestellt. Die Mutter sah aufgrund dieser Anmerkung es für gegeben an, dass ihr Sohnin hohem Maße für das Priesteramt geeignet sei. Im Sommer 1817 legte Wilhelm Hauff das »Landexamen« ab, die Voraussetzung für den kostenlosen Besuch eines niederen theologischen Seminars.
Am 18. September 1817 bezog er mit 38 weiteren Zöglingen Quartier am theologischen Seminar im ehemaligen Benediktiner-Kloster zu Blaubeuren. Briefe aus dieser Zeit belegen sei Interesse für das Zeitgeschehen, die strenge Zucht im Kloster engten ihn sehr ein, so dass er seine Mutter bat, ihn aus diesem Karzer zu erlösen. Im Frühjahr entsprach die Schulleitung der Bitte der Mutter um vorzeitige Entlassung des Eleven; dies jedoch nur unter der Bedingung, dass bis zum Herbst 1820 die Prüfung, die für das nächste Jahr vorgesehen war, vom Eleven bestanden werde. Hauff strengte sich an und legte die Prüfung im September 1820 mit Erfolg ab.
Am 15. Oktober 1820 schrieb sich Wilhelm Hauff am theologischen Seminar am Evangelischen Stift in Tübingen ein, wobei ihm durch die bestandene Prüfung ein Stipendium gewährt wurde. Zur Vorbereitung auf seinen künftigen Beruf wurde ihm für Ostern 1822 eine Predigt aufgegeben; weitere Predigten wurden ihm in den zwei Folgejahren abverlangt. Er zeigte keine besondere Begabung zum Kanzelredner und hatte wohl auch schon damals wenig Neigung zum Priesterberuf. Aber noch indiesem Jahr trat er in die Burschenschaft ein und wurde aufgrund seiner leiterarischen Fähigkeiten bereits Ehrenmitglied.
Im Herbst 1823 machte Wilhelm Hauff während einer Ferienreise in Nördlingen die Bekanntschaft mit seiner Cousine Luise, die vier Jahre jünger war als er. Die beiden verliebten sich, an Ostern 1824 bat der Student um die Hand seiner Luise. Im Sommer 1824 bestand er unter Bescheinigung beachtlicher Leistungen das Staatsexamen; ihm wurden gute Leistungen in den praktischen und theologischen Fächern attestiert, aber auch in den Sprachen und der Philosophie, wodurch ihm die Promotion in weltlichen Fächern und die Dozentur offenstand.
Von 1824 bis 1826 arbeitete Hauff als Hauslehrer in Stuttgart bei dem württembergischen Präsidenten des Kriegsdepartements Ernst Eugen Freiherr von Hügel und unterrichtete dessen beide Söhne.
Die ersten literarischen Schritte unternahm Hauff Ende 1824 als Herausgeber der »Kriegs- und Volkslieder«, zu denen er selbst sechs Gedichte beisteuerte. Mitte des Jahres 1825 erschien sein unter dem Pseudonym »H. Cleuren« veröffentlichte. [H. Cleuren war das Pseudonym des Berliner Hofrats Carl Gottlob Heun, dessen einfach gestrickte Sentimental-Literatur beim Volke sehr beliebt war.] Der neue Roman wurde von der Kritik als bislang bestes Werk dieses Autors gelobt; die Täuschung flog jedoch auf, als der Hofrat Heun einen Prozess wegen Täuschung des Publikums gegen den Plagiaten anstrengte. Der Verleger des Buches wurde zu einer Geldstrafe von 50 Talern verurteilt sowie zur Rücknahme jener Exemplare, die der Käufer nicht hatte behalten wollen. Diese Werbung erhöhte noch den Verkaufserfolg.
Im Frühjahr 1825 legte Hauff vor dem Stuttgarter Oberkonsistorium die höhere Dienstprüfung ab, die ihm die Möglichkeit verschaffte, als Geistlicher tätig werden zu können. Ein halbes Jahr später legte er an der Tübinger Universität das Doktorexamen ab, das Diplom wurde am 20. Oktober 1825 ausgestellt. Im Jahre 1825 entstand dann noch der »Märchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf das Jahr 1826« im Verlage J.B. Metzler unter dem Untertitel »Die Karawane. Er enthält die Erzählungenen: »Die Geschichte vom Kalif Storch«, »Die Geschichte vom von dem Gespensterschiff«, »Die Geschichte von der abghauenen Hand«, »Die Errettung Fatmes«, »Die Geschichte vom kleinen Muck« und »Das Märchen vom falschen Prinzen«.
Im Winter 1825 auf 1826 entstanden in Stuttgart die Novelle: »Othello« und der Roman »Liechtenstein«. Am 30. April 1826 beendete Hauff seine Tätigkeit als Hofmeister in Diensten des Freiherrn von Hügel und trat die die lange geplante Bildungsreise an. Über Frankfurt am Main, Mainz und Metz reiste er nach Paris. Ende Juli 1826 verließ er Paris und fuhr über Brüssel, Antwerpen, Gent Köln Göttingen und Kassel nach Bremen, wo er Kommilitonen, Entfernte Verwandte und Bekannte besuchen wollte. Er schloss dort enge Bekanntschaft mit dem Ersten Bürgermeister Schmidt, wurde vom Senat geehrt und gefeiert. Von Bremen ging es zunächst nach Hamburg, von dort weiter nach Berlin, wo er mit Friedrich de la Fouqué, Adelbert von Chamisso, Willibald Alexis und Julius Eduard Hitzig, dem Biografen E.T.A. Hoffmanns zusammentraf. In Leipzig traf er sich mit dem Verleger F. A. Brockhaus.
In das Jahr 1826 fielen die Arbeiten für den »Märchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf das Jahr 1827«, herausgegeben von Wilhelm Hauff, erschienen im Verlag der Gebrüder Franck in Stuttgart. Dieser Märchenalmanach rankt sich um den Titel: »Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven« und enthält »Der Zwerg Nase«, »Der Affe als Mensch«, »Abner, der Jude der nichts gesehen hat«, »Die Geschichte Almansors« sowie die Erzählungen »Der arme Stefan« von Gustav Adolf Schöll, »Der gebackene Kopf« von James Justinian Morier sowie aus der Feder von Wilhelm Grimm »Das Fest der Unterirdischen« und »Schneeweißchen und Rosenrot«
1827 wurde er Redakteur des Cottaschen »Morgenblattes für gebildete Stände«.Am 13. Februar 1827 Jahre heiratete Wilhelm Hauff seine geliebte Cousine Luise Hauff. Die junge Familie nahm Wohnung in Stuttgart. Er vollendete seinen dritten Märchenalmanach auf das Jahr 1828, indem er Verstzstücke aus Übersetzungen in das »Wirtshaus im Spessart« einfügte. Am 10. November 1827 wurde ihm eine Tochter geboren. Nur eine Woche später, am 18. November 1827, verstarb Hauff an einem Nervenfieber („Schleimfieber“), das er sich während einer Reise durch Tirol zugezogen hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Hoppenlau-Friedhof Stuttgart.
Zu seinem Gedenken wurde der Wilhelm-Hauff-Preis zur Förderung von Kinder- und Jugendliteratur gestiftet.