Einleitung zum Märchen »Der Goldne Topf«, Fantasiestücke in Callot's Manier, Dritter Band

E. T. A. Hoffmann

Einer der modernen Hoffmann-Biographen, Hartmut Steinecke, beginnt die Darstellung über den Künstler: »Die Kunst der Fantasie; E. T. A. Hoffmanns Leben und Werk« (Insel-Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2004) mit den Worten: »Im Alter von 20 Jahren, 1796, entwirft der Königsberger Jurist Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann ein Selbstporträt als Musiker, als Zeichner und als Schriftsteller »mit humoristischem Temperament«. »Meine Fantasie ist stärker als alles«, so charakterisiert er zusammenfassend seine Künstlerschaft. Sie ist von Beginn an: Kunst der Fantasie.«
Nicht umsonst wird man ihn noch zu Lebzeiten den »Gespenster-Hoffmann« benennen, der über die Poesie den Leser mitzieht und teilnehmen lässt an allerhand tollem Spuk und possierlichen Spielereien, wie sie die übersprühende Fantasie gebiert. Dabei ist sein Wirken vielfältig. Der gelernte und von seinen Prüfern sehr gelobte Jurist erwies sich im Dienst als tüchtiger Kanzlist; seine Vorliebe für höchst amüsante, wahre und bissige Karikaturen verpasste ihm dann eine Strafversetzung. In sein Jura-Studium bereits fiel die Affäre mit Dora Hatt, die zugleich der Liebe zur Musik zu verdanken war, und ihn zwang, seine Heimatstadt und seine Liebe zu verlassen. Der Musik widmete er dann seine ganze Aktivität; sie konnte ihn allerdings nicht ernähren, wie die Zeit nach seinem unfreiwilligen Abschied aus dem Staatsdienst in Warschau zeigte. Er tat sich weiterhin als Karikaturist hervor, den Durchbruch erlebte er aber statt im musikalischen Oeuvre in der Literatur. Seine Fantasie, die sich mit der des Kupferstechers Callot messen will, verhilft ihm zu allerhand krausen Szenen, die noch zu Lebzeiten von einem breiten Publikum begeistert aufgenommen wurden.

Der Künstler im Sommer 1812
Bleistiftzeichnung von Wilhelm Hensel. Das einzige gesicherte Bildnis Hoffmanns von fremder Hand

24. Januar 1776 Geburt des Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann in Königsberg, Französische Gasse, Sohn des Hofgerichts- Advokaten Christoph Ludwig Hoffmann und Ehefrau Luise Albertine, geb. Doerffer
1778 Trennung der Eltern; er zieht mit der Mutter in das Doerffersche Haus und wächst dort als Einzelkind auf unter der Obhut der Verwandten: seiner Mutter, seiner das Haus dominierenden Großmutter, Tante Sophie (»Tante Füßchen«) und Onkel Otto Wilhelm Doerffer, dem »Oweh-Onkel«. Im selben Haus wohnt Zacharias Werner, nachmaliger Dichter.
1782 Besuch der reformierten Burgschule
1787 Der ein Jahr ältere Hippel besucht die Burgschule
1790 Bekanntschaft mit Dora Hatt
27. März 1792 Immatrikulation zum Studium an der Universität Königsberg
1792 Einzug der Familie Hatt im Dörfferschen Haus; Dora Hatt nimmt Musikunterricht beim jungen Ernst und wird seine Geliebte.
22. Juli 1795 Erstes Staats-Examen vor der ostpreußischen Regierung. Hoffmann wird zum Auskultator angenommen und zur Ableistung des Dienstes an das Obergericht in Königsberg verpflichtet.
Frühjahr 1796 Die Affäre mit Dora Hatt zieht weite Kreise, er muss Königsberg verlassen
15. Juli 1796 Ankunft bei seinem Onkel Johann Ludwig Doerffer in Glogau
1796 Tod der Großmutter
10. Juni 1798 Zweites Staats-Examen
15. Juli 1798 Ernennung zum Referendar und Versetzung nach Berlin; dort amtiert bereits der Onkel Johann Ludwig. Verlobung mit der Cousine Minna (Sophie Wilhelmine Constantine) Doerffer
1799 Singspiel »Die Maske«
1800 Drittes Staatsexamen mit Versetzung als Assessor nach Posen. Entfremdung von der Familie Doerffer.
1801 Singspiel »Scherz, List und Rache« nach einem Text von Goethe
1802 Strafversetzung von Posen nach Plock wegen Karikierung einflußreicher Militärs. Ernennung zum Regierungsrat. Hoffmann löst die Verlobung mit Minna Doerffer
16. Juli 1802 Heirat mit Maria Thekla Michalina Rohrer in Plock
1803 »Schreiben eines Klostergeistlichen an seinen Freund in der Hauptstadt« Fantasie in c-Moll für Forte-Piano; Lustspiel »Der Preis«
1804 Reise nach Königsberg.
Frühjahr 1804 Versetzung nach Warschau. Bekanntschaft mit dem Kollegen Julius Eduard Itzig und Erneuerung der Freundschaft mit Zacharias Werner.
1804 Oper »Die Lustigen Musikanten« nach einem Text von Clemens Brentano, Umbenennung des dritten Vornamens von Wilhelm in Amadeus als Verneigung vor Mozart
6. April 1805 Uraufführung der »Lustigen Musikanten« in Warschau; als Komponist wird »ein hiesiger Dilettant« genannt.
1805 Bühnenmusik zu Werners Theaterstück »Das Kreuz an der Ostsee«,
Sinfonia in Es-Dur
Geburt der Tochter Cäcilia
1806 Besetzung Warschaus durch die französischen Truppen. Die preußische Regierung wird aufgelöst; wer mit der neuen Macht kollaboriert, darf auf seinem Posten verbleiben. Die meisten Beamten verlassen Warschau; Hoffmann schickt seine Familie nach Posen und bleibt als freier Künstler in Warschau.
1807 Tod der Tochter Cäcilia bei ihren Verwandten in Posen
Singspiel »Die Schärpe und die Blume« nach Calderon (unter anderem Titel »Liebe und Eifersucht«)
Hoffmann verlässt Hungers leidend Warschau und begibt sich nach Berlin, wo ihn kein besseres Dasein erwartet. Er gibt eine Annonce im »Berscherschen Commissions-Comptoir« auf, in der er seine Dienst als Kapellmeister und Komponist anbietet. Graf von Soden als Intendant der »Königlich Privilegirten Schaubühne« in Bamberg bittet um eine Probenarbeit
1808 Musik zum Schauspiel »Der Trank der Unsterblichkeit« von Graf von Soden
1. September 1808 Ankunft der Familie Hoffmann in Bamberg; Einzug in ein Haus am Zinkenwörth mit Blick auf die Regnitz
1808 Ballettmusik »Arlequin«
25. Januar 1809 Annahme des Artikels »Ritter Gluck« durch den Intendanten der Allgemeinen Musikalischen Zeitung, Rochlitz, und Angebot zur Mitarbeit.
1. Mai 1809 Umzug in Bamberg in die Wohnung im Zinkenwörth 50, heute Schillerplatz 26: E.T.A. Hoffmann-Haus und Museum
1809 Die Stellung als Kapellmeister und Dirigent am Schauspielhaus geht bald nach Beginn seiner Tätigkeit wegen der Renitenz einiger Mitglieder verloren; er darf sich weiterhin Musikdirektor nennen. Er schlägt sich als Theaterkomponist, Theatermaler, Maschinist, Kartenabreißer und Musiklehrer durch. Er fristet sein Leben weiterhin durch Ausarbeitung von Artikeln für die Allgemeine Musikalische Zeitung und Verkauf von Musikalien.
11. Oktober 1809 Uraufführung des Singspiels »Dirna« nach einem Text von Graf von Soden
31. März 1810 Graf von Soden verlässt das Bamberger Theater
1810 Unter der Ägide von Holbein gewinnt das Theater an Renommé und wirtschaftet erfolgreich.
29. Juni 1811 Uraufführung des »Saul« in Bamberg nach einem Text von J. von Seyfried
1811 Die Zuneigung zu seiner Schülerin Julie Marc (13 Jahre alt) wird zur verzehrenden Liebe
1812 Zauberoper »Aurora« nach einem Text von Franz von Holbein fertiggestellt; die für die Zukunft geplanten Aufführungen in Würzburg und Wien kommen nicht zustande.
Beginn der Komposition der Oper »Undine« nach einer Vorlage von Baron de la Motte Fouqué
10. August 1812 Verlobung von Julie Marc mit dem Hamburger Kaufmann Graepel
18. März 1813 Vertrag mit dem Bamberger Verleger Kunz über die »Fantasiestücke in Callots Manier«
21. April 1813 Hoffmann verlässt Berlin und reist nach Dresden
1813 Aufenthalt wechselnd in Dresden und Leipzig, verursacht durch die wechselnden Aufführungsorte der Secondaschen Truppe. Hoffmann arbeitet intensiv an seinen literarischen Studien und der Oper »Undine«.
26. Februar 1814 Seconda kündigt Hoffmann die Stelle als Musikdirektor.
1814 Vollendung der Oper »Undine«
»Fantasiestücke in Callots Manier« Bände 1 - 3
24. September 1814 Hoffmann reist nach Berlin, um in den Staatsdienst zurückkehren zu können.
4. Oktober 1814 Logis in der Französischen Straße. Er bemüht sich um die Nachzahlung des Gehalts, da er im Prinzip in Warschau ungekündigt war.
1815 Hoffmann bezieht Wohnung in der Taubenstr. 31, gegenüber dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.
»Fantasiestücke in Callots Manier« Band 4;
»Die Elixiere des Teufels«, Band 1
Selbstporträt als Aquarell mit der Unterschrift: »Der Kapellmeister Johannes Kreisler in Haustracht nach dem Leben gezeichnet von Erasmus Spikher«: der Künstler in langem Rock mit langer Pfeife vor einem Spinett, auf dessen Pult die Partitur der »Undine« zu sehen ist.
3. August 1816 Uraufführung der Oper »Undine«, Text von Baron de la Motte-Fouqué am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit den Dekorationen des Malers und Architekten Schinkel.
1816 »Die Elixiere des Teufels«, Band 2;
»Nachtstücke«, Band 1
Ernennung zum »Wirklichen Mitglied des Kriminalsenats« am Kammergericht; Übernahme in den bezahlten Staatsdienst
1817 Brand des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt; Zerstörung der Dekorationen der »Undine« nach 14 Aufführungen
»Nachtstücke«, Band 2;
1818 schwere Krankheit; Gründung des Literaturzirkels »Die Serapionsbrüder«;
1819 »Seltsame Leiden eines Theaterdirektors«;
»Klein Zaches, genannt Zinnober«;
»Die Serapions-Brüder« Bände 1/2
Mitglied der »Immediatkommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe«; sie betreibt die »Demagogenverfolgung«, also die Verfolgung aller demokratischer Bestrebungen als langer Arm der reaktionären Herrschaft
1820 »Die Serapions-Brüder«, Band 3;
»Prinzessin Brambilla«
»Lebensansichten des Katers Murr«, Band 1
1821 Hoffmann wird bei Anhebung der Bezüge in den Oberappellationssenat des Kammergerichtes aufgenommen.
»Die Serapions-Brüder«, Band 4;
»Lebensansichten des Katers Murr«, Band 2
1822 Schwere Erkrankung, die zur Lähmung des Körpers führt.
Beschlagnahme des Manuskripts des "Meister Floh" und Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Hoffmann. »Meister Floh« fertiggestellt, posthum veröffentlicht
25. Juni 1822 Tod des Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (morgens halbzehn Uhr)
1823 Unter der Ägide von J. E. Hitzig erscheint das Werk »Aus Hoffmanns Leben und Nachlass«
1825 »Letzte Erzählungen«, herausgegeben von J. E. Hitzig