Ausschnitt aus: »Adams Tagebuch«

Mark Twain

Mit richtigem Familiennamen hieß er Samuel Langhorne Clemens, war Nachfahre eines nach Westen ziehenden Pioniers, dessen Familie aus Virginia stammte, einer privilegierten Abstammung aus ältester Kolonialzeit. So stand der Knabe Samuel mit einem Fuß auf der Seite der privilegierten Kultur, mit dem anderen auf der Seite des von der Sklaverei beherrschten Missouritals.
Es kann nur vermutet werden, dass er von frühen Kindesbeinen sich seiner Phantasie bewusst war und er diese auszunutzen versuchte; aus seiner Lehrlingszeit ist aus einem anderen Vorgang bekannt, dass er jeden Papierfetzen aufhob, um keine Idee zu verpassen. Was lag denn einem phantasiebegabten Wesen näher, als eine Setzerlehre zu beginnen, nachdem er doch ins Berufsleben treten musste?
Er schrieb immer unter irgendwelchen Pseudonymen, erst bei dem Namen »Mark Twain« blieb er hängen; »Mark Twain« ist der Ausdruck für die Wassertiefe von zwei Faden (3,63 Meter) beim Lotsen eines Schiffes durch Untiefen, bei dem die Wassertiefe ständig erneut bestimmt werden muss. Samuel Clemens hatte sich zum Flusslotsen auf dem Mississippi ausbilden lassen und dann mehrere Jahre in diesem Beruf gearbeitet, bis der Beginn des Sezessionskrieges die Schifffahrt zum Erliegen brachte.
Seine Erfahrungen aus der Armut des Mittelwestens, seine harte Ausbildung, die Mühsal des Lebens machten ihn unbeugsam gegen alle gefühlten Ungerechtigkeiten, gegen die er in seinem Werk mit Ironie, Sarkasmus und mit allen Mitteln des schwarzen Humors vorging. Seine realistische Darstellung des Lebens im Mittelwesten in »Tom Sawyer« und »Huckleberry Finn« und der Sklaverei im allgemeinen Umgang schildern die Menschen liebenswürdig, kreuzigen jedoch die Umstände, in denen sie leben müssen.
Mark Twain gelang es ebensowenig wie seinem Vater, zu großem Reichtum zu kommen; ein Bankrott fraß sein Vermögen, als er sich bereits gesichert glaubte. Doch hinterließ er der Nachwelt einen großen Reichtum an Schriften, die diese zu ihrem eigen Nutzen anwenden sollte.

Mark Twain 1890
(Nach einem Gemälde von James Carroll Beckwith)

10. November 1835 Mark Twain = Samuel Langhorne Clemens vor dem regulären Ablauf der Schwangerschaft am 30. November 1835 in Florida, Monroe County, Missouri geboren; er ist das fünfte Kind des Ehepaares John Marshall Clemens und Jane Lampton. Sein Vater stammt aus Virginia; aus Abenteuerlust und Profitgier war er nach Westen gezogen. Es war ihm nicht vergönnt, zum geplanten Reichtum zu gelangen; seine Grundstücksspekulationen mißlangen ihm gründlich.
1839 Die Familie zieht nach Hannibal, ebenfalls im Staate Missouri gelegen. Sein Vater wird als Anwalt tätig und übt das Amt des Friedensrichters aus, so dass die Familie zum ersten Mal der Armut entrinnen kann.
1844 Dort besucht Samuel Clemens ab dem fünften Lebensjahr die Privatschule der Missis Horr bis zum 13. Lebensjahr, in dem sein Vater verstarb.
1847 Er beginnt eine Setzerlehre beim »Missouri Courier«. Sein Bruder Orion kauft mit Mitteln aus dem Verkauf der letzten Tranche eines Grundstücks in Kentucky, das sein Vater noch erworben hatte, das »Hannibal Journal«, in dem Samuel erste kurze Artikel veröffentlichen konnte.
1852 Die Erzählung »The Dandy Frightening the Squatter« erscheint unter seinem ersten Pseudonym W. Epaminondas Adrastus Perkins.
Noch im selben Jahr reist er als Setzer durch den Osten und Mittleren Westen. Aus St. Louis, Philadelphia, New York und Washington D. C. schreibt er Reiseberichte für die Zeitung seines Bruders, und verbringt viele Abende in öffentlichen Bibliotheken der Städte, die er besucht.
1855 Samuel Clemens zieht nach St. Louis; er versucht aus Freude an dem Beruf, Lotse auf einem Mississippidampfer zu werden.
1857 Er wird zum Lehrling angenommen und beginnt seine Ausbildung.
1859 Er erhält die Lotsenlizenz und übt diesen Beruf bis zum Jahre 1861 aus, als der Sezessionskrieg den Verkehr auf dem Fluss fast gänzlich zum Erliegen brachte.
1861 zweiwöchige Militärzeit bei der Missouri State Guard, dann entweicht er mit seinem Bruder Orion nach Westen.
1864 Mark Twain zieht nach San Francisco und schreibt für die Zeitungen »Morning Call« und »The Californian«. Bekanntschaft mit Bret Harte.
1865 Für die Zeitungen aus San Francisco geht er als Korrespondent nach Hawaii.
Kurzgeschichte »Jim Smiley and His Jumping Frog« (deutsch: Der berühmte Springfrosch aus der Provinz Calaveras) bringt Twain erstmals in das Rampenlicht der Öffentlichkeit.
1866 Diesen Erfolg ausbeutend, geht er auf Vortragsreise und berichtet über seine Erlebnisse auf den Sandwich-Inseln. Gleichzeitig beginnt er für Zeitschriften aus New York zu schreiben.
1867 Sein erstes Buch mit Kurzgeschichten, die mit der Geschichte des Springfrosches eingeleitet wird.
1869 Reisebuch »The Innocents Abroad«
1870 Heirat mit Olivia Langdon
1871 Er lässt sich in Hartford, 351 Farmington Ave, im Staate Connecticut nieder. Ihr erstes Kind, der Sohn Langdon Langdon, kommt wie der Vater als Frühgeburt zur Welt.
1872 Die Tochter Susy wird geboren, Sohn Langdon stirbt im selben Jahr.
»Roughing It« (deutsch: Durch Dick und Dünn)
1875 Mit dem Co-Autor Charles Dudley Warner »The Gilded Age« (deutsch: Das Goldene Zeitalter).
Beiträge für die Serie »Old Times on the Mississippi« in der Zeitschrift »Atlantic Monthly«
1876 Veröffentlichung der »The Adventures of Tom Sawyer« (deutsch: Die Abenteuer des Tom Sawyer), in der durchaus autobiografische Anteile enthalten sind.
1879/1880 In den Jahren 1879 und 1880 hält sich Mark Twain in Europa auf
1880 »A Tramp abroad« (deutsch: Bummel durch Europa)
1882 »The Prince and the Pauper«, (deutsch: Prinz und Bettelknabe)
1883 »Life on the Mississippi« (deutsch: Leben auf dem Mississippi)
1884 »The Adventures of Huckleberry Finn« (deutsch: Die Abenteuer des Huckleberry Finn)
Beginn einer zwölfmonatige Vortragsreise zusammen mit George Washington Cable.
1885 Als Inhaber des Verlages Charles L. Webster & Co. hat er mit der Herausgabe der Biographie des Bürgerkriegsgenerals und späteren Präsidenten Ulysses S. Grant großen Erfolg.
1889 »A Yankee from Connecticut at the Court of King Arthur« (Deutsch: Ein Yankee aus Connecticut am Hofe König Arthurs).
1891 »Master-of-Arts« der Yale-University ehrenhalber
1891/1892 Europa-Aufenthalt
1894 Bankrott des Verlag Webster & Co., was sein gesamtes Vermögen verschlang. Die Ursache war im wesentlichen in den Investitionen in eine Setzmaschine zu suchen, die durch James W. Paige geschaffen werden sollte, sich jedoch als Fehlkonstruktion erwies.
1894 »Puddnhead Wilson« (deutsch: Querkopf Wilson).
1895 In »Harpers Weekly« werden die »Personal Recollections on Joan of Arc« (deutsch: Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc) unter einem Pseudonym als Serie veröffentlicht.
Beginn einer einjährigen Vortragsreise, die ihn und seine Frau um die ganze Welt führte. Die Einnahmen wurden dazu verwendet, seine immensen Schulden zu tilgen.
18. August 1896 Tod seiner Tochter Suzy in ihrem Elternhaus in Hartford, Connecticut an den Folgen einer Meningitis. Twain war mit seiner Frau nach der Weltreise in England angelangt und kam erst drei Tage nach ihrem Tod in New York an.
1897 Der Reisebericht erscheint unter dem Titel »Following the Equator« (deutsch: Reise um die Welt)
1901 Ehrendoktor der Yale-Universität
5. Juni 1904 Tod seine Ehefrau Olivia in Florenz,
1906 »Personal Recollections on Joan of Arc« (deutsch: Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc)
21. April 1910 Tod in Redding, Connecticut.
1916 posthum: »The mysterious Stranger«, (Deutsch: Der gheimnisvolle Fremde)
1924 posthum: Twains Autobiographie erscheint in gekürzter Form unter der Edition von Albert Bigelow Paine
1940 posthum: Bernard de Voto besorgt eine Neuausgabe von Twains Autobiographie
1959 posthum: Charles Neider lässt eine Neuausgabe von Twains Autobiographie erscheinen
1962 posthum: »Letters from the Earth«, eine Sammlung bislang unveröffentlicher Geschichten und Fragmente erscheint