»Der arme Teufel« 1902

Erich Mühsam

Erich Mühsam wurde am 6. April 1878 als drittes Kind des Apothekers Siegfried Seligmann Mühsam (1838-1915) und seiner Frau Rosalie geb. Cohn in Berlin geboren. 1879 siedelte die Familie nach Lübeck um. Mühsam wurde 1896 wegen »sozialistischer Umtriebe« relegiert und beendete die Schule mit Untersekunda und Reifezeugnis in Parchim. Sein Berufsleben begann er als Apothekergehilfe im Jahre 1899 mit Stellen in Blomberg, Schlesien und Berlin. Nach dem Umzug nach Berlin betätigte er sich in der Kabarettszene und fand zum Anarchismus; er schloss eine Lebensfreundschaft mit Gustav Landauer. Er redigierte ab dem Jahre 1902 die anarchichistische Wochenschrift »Der arme Teufel«. Als erste Arbeiten erschienen: der Aufsatz »Die Homosexualität« (1903), »Billys Erdengang« mit H. H. Ewers (1904) und der Gedichtband »Die Wüste« (1904). Eine Wanderung mit Johannes Nohl über vier Jahre führte ihn in die Schweiz und nach Norditalien. Wegen Verbreitung eines Flugblatts in Berlin wurde er 1906 zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Mühsam wurde 1908 in München sesshaft. Er war Gründungsmitglied der »Gruppe Tat« zur Propagierung der Ideen des Sozialistischen Bundes. Es erschien der Gedichtband »Der Krater«. Im Jahre 1910 erfolgte die Verhaftung unter Anklage der Geheimbündelei; Mühsam wurde freigesprochen. Er widmete sich der Herausgabe der Schrift: »Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit« im eigenen Verlag in den Jahren von 1911 bis 1914 und 1918/1919.
Im September 1915 heiratete er Kreszentia Elfinger. Im Laufe der Kriegsjahre schwieg seine Feder, jedoch nahm er Anteil an den. Hunger- und Protestdemonstrationen in München ab 1916. Mühsam propagierte die revolutionäre Beendigung des Krieges; In der Münchner Räterepublik war er in vorderster Front vertreten. Nach dem blutigen Ende wurde er 1919 zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Ansbach abzuleisten hatte. In der Haft entstanden u.a. die Werke: »1919. Dem Andenken G. Landauers«, »Judas. Ein Arbeiterdrama«, »Brennende Erde«, »Das Standrecht in Bayern« (1923). Am 21. Dezember 1924 wurde er auf Bewährung aus der Haft entlassen. Er ließ sich in Berlin-Charlottenburg nieder und widmete sich mit Entschiedenheit wieder politischen Zielen: »Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder«, »Alarm. Manifeste aus 20 Jahren« »Seenot« (alle 1925), »Staatsraison« (1928) und die »Sammlung 1898-1928«. Er gründete die Zeitschrift »Fanal«, die zwischen 1926 bis 1931 erschien. In den Bänden »Unpolitische Erinnerungen 1927-1929« und »Von Eisler bis Leviné« (1929) geißelte er die zeitlichen und politischen Umstände.
Er warnte ohne Unterlass vor dem aufziehenden Faschismus und bemühte sich um eine die Einigung aller links gerichteten Kräfte zu einer revolutionären Bewegung. In der Nacht des Reichstagsbrandes (27. Februar 1933) wurde er verhaftet und in der Haft schwer misshandelt.
Wie verhasst der Dichter war, zeigt ein Wort des nationalsozialistischen Propagandaministers Joseph Goebbels: »Dieses Judenaas muss krepieren!«. Inder Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 starb Erich Mühsam an den Folgen der Folter im KZ Oranienburg.