Gedicht aus Peter Zirbes: Eine Auswahl seiner Gedichte
Beispiel für die Mundart der Wittlicher Kante, gelesen von Oskar Lautwein

 

Beginn des 9. Kapitels aus dem »Gerolsteiner Schmunzelbüchlein«
Ein Beispiel für die Mundart der Vulkaneifel

Eifeler Mundart

Die hier an- und ausgesprochene Mundart stammt aus der Eifel, der Region Deutschlands, aus der ich stamme; ich bin gebürtig aus Salm, gelegen unweit der Stadt Gerolstein, die durch ihr Mineralwasser bekannt ist. Es gibt in dieser Gegend, die mitunter auch Vulkaneifel genannt wird, noch weitaus mehr Mineralbrunnen und auch einige heiße Solequellen, so in der Kreisstadt Daun.
Die Eifel ist ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges, das aus vier Teilen besteht: der Hunsrück liegt südlich der Mosel und westlich des Rheins, der Taunus östlich des Rheins und südlich der Lahn, der Westerwald nördlich der Lahn und ebenfalls östlich des Rheins. Die Eifel wird begrenzt im Süden durch die Mosel, im Osten durch den Rhein, im Westen durch Our und Sauer, im Norden durch den Bergzug der Ville und die niederrheinische Tiefebene. Mittelpunkt des Rheinischen Schiefergebirges ist Koblenz, wo sich Mosel und Lahn in den Rhein ergießen.

Sprachlich gehört der Raum der Eifel zum westmitteldeutschen Sprachraum, die Sprache gehört in das MIttelfränkische mit den Varietäten des Moselfränkischen und des Ripuarischen. Die Grenzen in der Karte sind nicht als absolute Trennung anzusehen, die Trennung beruht nicht auf geographischen Gegebenheiten, sondern auf den Territorialmachten, denen bestimmte Herrschaftsbereich unterstanden.
Weitestgehend war im Bereich des als Ripuarisch titulierten Gebiets die Herrschaft des Bischöflichen Kurfürsten von Köln maßgeblich, in dem als Moselfränkisch angesprochenen Gebiet die Herrschaft des Bischöflichen Kurfürsten von Trier und die Lehnsherrschaft des Luxemburger Hauses mit der Grafschaft Manderscheid und anderen Lehnsgebieten.

An dieser Stelle ist es notwendig eine Klärung zwischen »Dialekt« und »Sprache« einzuschieben.
Der Ausdruck Dialekt (von griech. dialegomai: miteinander reden) wird definiert als jedwede regionale Varietät einer Sprache oder als diejenige regionale Varietät, die nicht die Kriterien einer ausgebauten Sprache erfüllen (Hochsprache).
Der Begriff Dialekt wurde von Philipp von Zesen durch den Ausdruck »Mundart« eingedeutscht.
Es gibt keine eindeutigen Kriterien zur Unterscheidung von Dialekt und Sprache. Die Diskussion um diesen Punkt bezieht sich darauf, dass in der Bezeichnung »Dialekt« für viele Menschen eine Minderwertigkeit mitklingt im Gegensatz zu einer »richtigen« Sprache.
In der historischen deutschen Dialektologie war die Unterscheidung von Dialekt und Sprache unproblematisch, da die Dialekte auf die alten deutschen Stammessprachen zurückgeführt wurden.
In der jetzigen Diskussion wird oft die gegenseitige Verständlichkeit als Kriterium zur Abgrenzung von Dialekt und Sprache genannt. Die genaue Bestimmung der gegenseitigen Verständlichkeit wiederum ist in der Sprachwissenschaft umstritten.
Der Soziolinguist Heinz Kloss hat die Begriffe »Ausbausprache« und »Abstandsprache« eingeführt, um eine Beschreibung durchführen zu können, welche Varietäten als eigenständige Sprache gelten.
Eine Varietät ist dann eine Ausbausprache, wenn sie als standardisierte schriftliche Form verwendet wird, und zwar nicht nur in der Belletristik, sondern auch z.B. in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Ausbausprachen sind beispielsweise das Standarddeutsche oder das Niederländische. Keine Ausbausprachen sind beispielsweise das Bairische, das Meißenische oder das Schweizerdeutsche. Problematisch ist, dass eine gewisse minimale Verschiedenheit gegeben sein muss. So gilt z. B. das Schweizer Hochdeutsch nicht als eigene Ausbausprache, das Luxemburgische hingegen schon.
Eine Varietät ist dann eine Abstandsprache, wenn sie linguistisch sehr deutlich von einer anderen abweicht. Als typisches Beispiel gilt das Baskische, das als isolierte Sprache ganz klar eine Abstandsprache des Spanischen ist. Nach ebendiesem Kriterium gilt auch das Sorbische (eine slawische Sprache) als eine Abstandsprache des Deutschen (einer germanischen Sprache). Problematisch ist die Bestimmung der deutlichen linguistischen Abweichung.
Auch das Begriffpaar »Ausbausprache« - »Abstandsprache« kann die geläufige Unterscheidung von Dialekt und Sprache nicht in allen Fällen begründen. So gilt das Niedersächsische weder als eigene Abstandsprache noch — im Gegensatz zum Mittelniederdeutschen — als Ausbausprache; dennoch ist es von der Bundesrepublik Deutschland als eigenständige Regionalsprache im Sinne der EU-Charta der Minderheitssprachen anerkannt worden.
[zum Abschnitt: so zitiert aus »http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt«]

Die bekannteste Sprachform des Ripuarischen ist das »Köllsche«, das in Köln und Umkreis gesprochen wird. Das »Letzeborgische« als am weitesten verbreitete Varietät des Moselfränkischen ist im »Läntchie«, hier auch in schriftlicher Version, Amtssprache neben Französisch und Deutsch; es wird in der Schule unterrrichtet. Jeder luxemburgische Lehrer ist verpflichtet, in dieser Sprache unterrichten zu können, gleich welcher Sprachregion er entstammt.

Das Moselfränkische ist nicht als ein abgeschlossener Sprachraum anzusehen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Aussprachen und unterschiedliches Vokabular. Generell ist jedoch über das gesamte Moselfränkische zu sagen, dass es aufgrund seiner Entstehung und Pflege als eigene Sprache aufzufassen ist.
Eines darf man dabei nicht vergessen: nach einer Blüte dieser Region in Mittelalter, als die Abtei Prüm die reischste Pfründe im fränkischen reich darstellte und das Land Kernland fränkischer Politik war, und auch noch im Hochmittelalter, verfiel die Landschaft in Kriegen der Herrschaften untereinander und wurde anschließend in der Neuzeit zum Durchmarsch- und Kampfgebiet der europäischen Kriege. Anschließend wurde die Region zur Grenzlandschaft zwischen den »Erbfeinden« Frankreich und Deutsches Reich abqualifiziert und abgeschottet. In diesem Umfeld konnte sich die Sprache erhalten.
Das Moselfränkische beinhaltet, wie ich selbst nachweisen kann, noch immer im Gegensatz zur Hochsprache reines Vokabular aus dem Althochdeutschen sowie Einsprengsel aus dem (alten) Angelsächsischen sowie Affinitäten zum Altfranzösischen. Es gibt Lautbildungen, die im Hochdeutschen entfallen sind, jedoch auch heute noch im Englischen gebraucht werden.
Der starke Hinweis auf das Französische ergibt sich unmittelbar aus der Sprechweise und der Satzmelodie. Wie in dieser Sprache werden die Worte aneinander gebunden, also ein Endkonsonant eines Wortes lauthaft gesprochen, wenn das Folgewort mit einem Vokal beginnt. Der gesprochene Satz selbst folgt einer Wortmelodie, wobei bei einem hellen Laut eine Erhöhung erfolgt (ä, e, i), bei den tiefen Lauten eine Absenkung, bei lang anhaltenden Vokalen ist ein Timbre zwingend vorgeschrieben.

Im Eifeler Raum selbst wird nach »Kanten« [Kaant] mit einem geographischen Mittelpunkt unterschieden: es gibt von Westen nach Osten eine Prümer Kante, eine Trierer Kante, eine Vulkaneifelkante, eine Wittlicher Kante und eine Koblenzer Kante. Jeder dieser Bereiche beinhaltet eine gewisse Gleichförmigkeit in der Abhandlung der Sprache, ohne dass eine Gleichheit in der Ausprägung vorausgesetzt werden kann.

Der »Eingeborene« wuchs früher in die Sprache des Ortes hinein, Verbindungen zwischen den Orten waren eher als selten anzunehmen. Das Hochdeutsche war meine erste Frtemdsprache, mit der ich im zarten Alter von sechs Jahren konfrontiert wurde. Nun, den rechten Schub bekam das Lernen, als ich mit dem Lesen feststellte, das es Texte und Bücher nur in dieser Sprache gab und ich demzufolge diese lernen musste, was ich dann auch gerne tat.

Zu guter Letzt: Alle »Mundarten« zumindest des mittelfränkischen Sprachraums, abgesehen vom Luxemburgischen, sind vom Aussterben bedroht. Wie im Obigen bereits beschrieben, klingt nicht nur im Wort, sondern im Dialekt für das VOlk eine Minderwertigkeit mit, die dazu führt, dass mit dem Kind Hochdeutsch gesprochen wird. Diese Ausprägung kann wiederum dazu führen, dass der zum Hochdeutschen unterschiedliche Sprachduktus des Dialekts in diesen Sprachunterricht der Eltern für das Kind einfließt, was im Prinzip die Lage für das Kind in der Komunikation erschwert, sobald es sich aus dem heimatlichen Raum entfernt.
Jemand, der wie ich, das Hochdeutsch als eine neue Sprache kennen und schätzen lernt, wird die Sprachen sauber voneinander trennen; jemand, dem wo eine aus dem Dialekt stammende Grammatik mit dem hochdeutschen Ausdruck beigebracht worden ist, wird diese Eigenartt wohl nicht wieder verlieren (sic!).
In dem Dorf mit 400 Einwohneren, aus dem ich stamme, gabe es zu der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, nur die aus der Stadt Zugezogenen, die kein »Platt« sprachen. Zur jetzigen Zeit ist die Anzahl derjenigen, die das »Platt« sprechen und verstehen, auf die Häfte der Einwohner zurückgegangen. Dieser Prozentsatz wird weiter zurückgehen, je mehr ältere Einwohner versterben; einen bedeutenden Zuwachs an Kindern, die mit dem »Platt« aufwachsen, wird es wohl nicht geben.

Eine Schwierigkeit von meiner Seite ist die Beherrschung der »Kanten«. Ich stamme aus der Kyllburger Waldeifel, von der Sprache her zur Vulkaneifel.
Das Gerolsteiner »Platt« gehört schon in Teilen zum ripuarischen Sprachraum, was bei der Aussprache zu beachten ist.
Der Eifeldichter Peter Zirbes gehört mit seiner Mundart zur Wittlicher Kante, deren Ausdrücke und Aussprache ich mir neu aneignen musste. Ich kann diese Mundart auch nur lesen, nur in Ansätzen jedoch frei sprechen.