Gedicht: »Dén Guggug séngt« (Der Kuckuck singt)
gesprochen von Walter Feltes aus Niederkail
Mitglied des Peter-Zirbes-Kulturkreises der VHS Wittlich-Land

Peter Zirbes

Peter Zirbes wurde als Sohn von Nikolaus Zirbes und Ehefrau Catharina Schmitz am 10. Januar 1825 in Niederkail im ehemaligen Kreis Wittlich, Regierungsbezirk Trier geboren.
Der Vater Nikolaus Zirbes wurde 1799 geboren und betrieb den Hausierhandel mit Töpferwaren, die aus der näheren Gegend wie Niersbach und Speicher stammten und Glaswaren aus dem Saarland und sogar aus dem fernen Sachsen und Böhmen. Das Gedicht »Das Sortiment« (Track 41 der CD 1) gibt eine Verzeicnis der mitgeführten Waren wieder.
Zunächst lebten die Eltern von Peter Zirbes bei den Eltern der Frau in Niederkail, bis sie 1829 ein eigenes Häuschen erbauten. Zirbes war damals 4 Jahre alt. Hier verblieben die Kinder mit der Mutter zu Beginn des Winters, während der Vater weiterhin die Mühseligkeiten des Handels trug. Schon früh äußerte sich jedoch des Knaben Vorliebe für Erzählungen und Märchen, und sobald er lesen konnte, machte er sich mit Eifer über jedes Buch, das ihm in die Hände kam. Er selbst gehörte nicht zu den auf höheren Schulen Gebildeten, da es in seinem Heimatort Niederkail zwar schon ab 1810 eine eigne Schule gab, man aber meist nur im Winter mit regelmäßigem Schulbesuch rechnen konnte. Den Sommer über war er wegen des Wanderlebens vom Schulbesuch freigestellt.
Sofern es seine Gesundheit zuließ, besuchte er unregelmäßig die Winterschule in Niederkail von 1831 bis 1837 und ging dann zwei Winter nach Landscheid zur Schule, womit seine Ausbildung abgeschlossen war. Die Entlassung erfolgte mit 14 Jahren, sodass also 1839 Peter Zirbes die Schule verließ. »In der Schule fiel mir das Lernen schwer; aber hatte ich mit viel Mühe gelernt, so war’s auch hinter das Ohr geschrieben,
wo es mir kein Hahn mehr auskratzte. Langsam aber sicher kam ich weiter und der Lehrer war mit mir zufrieden. Mit dem Rechnen ging’s mir am schlimmsten.«
Schon früh wurde er auf den Wanderungen, zusammen mit dem hinzugekommenen Schwesterchen, von den aus kümmerlichem Erwerb lebenden Eltern mit herumgeschleppt. »In Wind und Wetter ziehen die Wanderer umher. Ein Strohbündel ist ihr Lager, die dürftigste Kost ihre Nahrung und der Ertrag des Handels lässt eben auch keine Seide gewinnen.« (W O. Horn)
»Ich hatte immer den Kopf so voll anderer Dinge. All mein Lebtag hörte ich nämlich gerne etwas Schönes erzählen, und als ich einmal lesen konnte, fühlte ich einen unwiderstehlichen Drang in mir, Bücher zu lesen. Besonders fesselten mich Erzählungen, Märchen und Gedichte. Hatte ich aber etwas gelesen, so wusste ich es nach Jahr und Tag wieder zu erzählen. Daher kam’s denn, dass die seltsamsten Bilder meinen Kopf durchkreuzten. Kamen mir Verse in die Hand, so wusste ich sie alsbald auswendig.«
Der Schulinspektor, damals der jeweilige Pfarrer der Kirchengemeinde Landscheid, war des Lobes voll, als Zirbes die Kreuzigung Christi anlässlich der Schulprüfung beeindruckend in der Kirche vortrug. Die versprochene Förderung und Hilfe wurden durch den frühen Tod des Pfarrers Conrad Neises keine Wirklichkeit mehr. Geweckte Hoffnungen waren schmerzlich mit dem Pfarrer gestorben. Ihm widmete Zirbes 1846 im ersten Band ein Gedicht.
Da Zirbes offenbar klein von Statur und kränklich war, wurde er bei den Musterungen nicht zum aktiven Militärdienst ausgehoben. Bei der letzten Aushebung, nach zweimaliger Zurückstellung wurde er erneut untauglich erklärt. Aber der Bürgermeister deutete ihm an, dass die Herren der Kommission ihn auf die »polytechnische Schule« nach Berlin geben wollten. In Unkenntnis der Bedeutung des Wortes und des Angebotes und mit Rücksicht auf die Bedürftigkeit der Eltern lehnte Zirbes ab und wurde entlassen. Die Richtigkeit dieses Entschlusses und der Gedanke an ventuellen Auswirkungen auf sein Leben bedrückten ihn später.
Unterrichtung und Ausbildung fand Zirbes nur in unzureichend bei einigen Freunden. Von seinen Förderern sei vor allem Hilarius Follmann aus Niederkail genannt, der in Landscheid Lehrer war. Er gab ihm Bücher über Verskunst. Außerdem vermittelte ihm Gustav Adolph Brandt aus Saarbrücken jede Hilfe und ermutigte ihn bei seinen Zeichnungen und Dichtungen.
»Es war ein unwiderstehlicher Trieb in mir, so viel als möglich zu lernen; aber überall stellten sich mir Schranken in den Weg. Zum Zeichnen hatte ich gar große Lust und trieb’s für mich. Nicht einmal Zeit zum Lesen blieb mir ja. Ich neigte auch sehr zur Musik.«
Zirbes besaß eine große, dreiteilige Flöte mit Fis - Klappe. Die Mutter scheint wenig Verständnis für die »brotlosen Künste« und das Versemachen des Knaben aufgebracht zu haben. Oft verwies sie ihm das Lesen, da sie selbst unkundig war. »Oft habe ich bitterlich darüber geweint.«
»Bei meiner Geistesrichtung konnte ich an dem Treiben meiner Altergenossen im Dorf keinen Gefallen finden. Ich zog es vor, mit meinem Buche und meiner Flöte in der Tasche über Berge und Höhen zu wandern, mich an einem schönen Plätzchen niederzusetzen, um zu lesen und zu dichten und, was meine Seele bewegte, in Tönen auszuhauchen.« »Mein Lied« CD 1 / No. 35
Peter Zirbes war nicht nur »wandernder Steinguthändler«, sondern ein Poet eigener Prägung dazu. Mit 20 Jahren schrieb Zirbes die ersten Verse nieder, das Gedicht »Woher«. (CD 1 / No. 20). Neben dem Handel, auf der Wanderschaft oder im Winter entstanden seine bisher zum Teil noch ungedruckten Gedichte.
Im Vorwort zur ersten Ausgabe der Gedichte schreibt Horn weiter, dass er 1849 durch Zufall die Bekanntschaft mit Peter Zirbes gemacht habe, der als umherziehender Eifler die Produkte der Glashütten des Saargebietes und der Porzellan- und Steingutfabriken von Wallerfangen und Mettlach feilbot. Wie dieser Handel ungefähr vor sich ging beschreibt Zirbes im »Dialog« CD 1 / No. 40.
Bereits im Jahre 1852, Zirbes war damals 27 Jahre alt, erschien die erste Auflage seiner Gedichte, herausgegeben von W. O. Horn. Hinter diesem Namen verbirgt sich der Volksschriftsteller und Superintendent Örtel aus Sobernheim, der durch ein im Meisenheimer Boten veröffentlichtes Gedicht auf Zirbes aufmerksam gemacht wurde: »Der Gehalt der Dichtung, das Ungewöhnliche der Erscheinung, das Ansprechende der Persönlichkeit und die gedrückte Lage zogen mich an.«
Der junge Dichter trug eine innere Scheu vor dem fremden Herrn, ehe er den Entschluss fasste, ihn aufzusuchen und sich vorzustellen. Mit herzlichem Wohlwollen empfangen, fasste Zirbes bald Vertrauen zu ihm, und durch die Ermutigungen Örtels beflügelt, sammelte er 700 Subskribenten und gab das Werk in einer Auflage von 800 Stück heraus im Selbstverlag. Es enthielt 53 Gedichte und wurde bei E. Sassenroth in St. Goar gedruckt. In acht Wochen war die erste Auflage abgesetzt und völlig vergriffen.
In diesem ersten Gedichtband finden sich auch bereits die beiden wohl bekanntesten Sagen: »Der Trunkenbold in der Christnacht« (CD 1 / No. 65) und »Der Teufelsstein« (Eberhards-Clausen) CD 2 / No. 10) und auch einige Gedichte in Mundart.
In seinem Leben standen nun erst recht die beiden Pole gegenüber, er wollte der Poesie als Dichtkunst die Prosa des Alltags als wandernder Steinguthändler entgegensetzen. Sein Schicksal mit der überaus reichen Begabung verwickelte sich um die kleinlichsten Sorgen im Kampf um den notwendigsten Lebensunterhalt. »Prosa und Poesie« CD 1 / No. 30
Peter Zirbes betrieb damals als 31jähriger den Hausierhandel mit seinen Eltern gemeinsam. Man darf hier die wohl Frage stellen, woher Zirbes die Berufung und den Drang zum Dichten ableitete, zumal dies alles neben dem Broterwerb des Hausierhandels stand. Alle Darbietungen, eine Weiterbildung zu erhalten, schlug er aus, nicht zuletzt, um im Alter für seine armen Eltern zu sorgen.
Zirbes schreibt: »Mir flogen die Jahre dahin; aber wenn ich sagen sollte, ich hätte mich glücklich gefühlt so müsste ich lügen. Es war ein dunkler Trieb in mir nach einer anderen Tätigkeit, als die war, welche unser Geschäft mit sich brachte, und dieser Trieb erweckte in mir oft eine unbezwingliche Wehmut. Alle Türen zu einem höheren Erkennen waren mir verschlossen.« »Der Handelsbub von Niederkail« CD 1 / No. 37
Ein Wendepunkt in des Dichters Leben trat ein, als der Vater im Frühjahr 1858 starb. Nun hieß es erst recht, den Handel weiter zu betreiben, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Dann wurde die Mutter krank, bettlägerig und duldete keinen anderen Pfleger als ihren Sohn Peter, den sie bat, zu ihrer Pflege daheim zu bleiben. Die Mutter starb 1866 am Karfreitag. Der Tod der Eltern zertrümmerte ihm den sicheren Halt der Festung seiner Jugend.
Inzwischen hatte der Hausierhandel durch die Eisenbahn schwere Einbußen erlitten und war in der bis dahin bekannten Form nicht mehr attraktiv. Zirbes gab 1863 das Geschäft auf und betätigte sich als »Verfasser, Verleger und Subskribentensammler« in einer Person. Nach dem Tode der Mutter ordnete er alle häuslichen Angelegenheiten, um sich der Ablieferung der bestellten Bücher zu besorgen. 1865 war die zweite Auflage seiner Gedichte auf Grund vielfacher Nachfragen mit 84 Gedichten im Selbstverlag erschienen. In seinem im Buch vorgesetzten Lebenslauf klagt er: »Bring ich's denn in der Welt nicht weiter, so will ich auf den Trümmern meiner gescheiterten Hoffnungen Gott einen Altar bauen und ihm danken, dass ich als armer, wandernder Steinguthändler wenn auch ein kümmerliches, so doch ein selbstverdientes Stücklein Brot esse, und wenn auch einmal das Auge feucht wird, will ich denken, dass das Leben hier ja doch nur eine Reihe von Täuschungen ist.«
»Bei der zweiten Auflage meiner Gedichte (2.1.1865)« CD 1 / No. 33
1600 Stück der 2. Auflage waren im voraus bestellt worden und so konnte er unbesorgt die neue, vermehrte Auflage auf 2000 Exemplare festsetzen. Zirbes trat die Reise an. Doch viele frühere Subskribenten waren inzwischen verzogen oder gestorben. Im Regierungsbezirk Koblenz verweigerte man ihm den Selbstvertrieb und im Nassauischen konnte er kein einziges Exemplar absetzen. In Rheinhessen, wo er sich mehr Erfolg versprach, ging es ihm nicht besser. Einschließlich der Kosten des somit nutzlosen teueren Gewerbescheines zu 12 Thalern und 18 Silbergroschen hatte er die Summe von 30 Thalern eingebüßt. für seine Verhältnisse eine bedeutende Ausgabe, und so begab er sich wieder nach Hause.
Dort erwartete ihn eine gute Nachricht. Kein geringerer als Gustav Freytag hatte eine Kritik über den Eifeldichter Peter Zirbes im Sonntagsblatt der New-Yorker Staatszeitung (Grenzboten) geschrieben. Aus seinen eigenen Aufzeichnungen:
»Obgleich ich in der Fremde meist gute Aufnahme fand und überall ein gern gesehener Gast war, beschlich mich doch stets ein stilles Weh, wenn ich an meine in vieler Hinsicht so anziehende und leider noch so wenig bekannte Heimat dachte. Nirgends schien mir die Sonne so schön als in meinem armen Geburtsorte, dessen Feldbau so beschwerlich und unergiebig, dessen Wiesenland sumpfig ist und dem alle Erwerbsquellen fehlen. ... Der jüngst gehegte Wunsch, mich einst dort dauernd niederzulassen, sollte nun verwirklicht werden. Mein kleiner Feldbau gewährte mir freilich keine ausreichende Beschäftigung. Seit 10 Jahren war kein Krämer im Dorfe und alle häuslichen Bedürfnisse wurden auswärts gekauft. Nunmehr gründete ich mit meiner kleinen Barschaft ein Geschäft in Kolonial- und Spezereiwaren. ... Auch mußte ich Vieh halten und Dünger für den Feldbau gewinnen. Ich hatte jetzt mehr als genug zu tun. Ich war überladen und bei alledem noch längere Zeit mein eigener Koch und Kellner, bis ich endlich zusammenbrach und auf fremde Hilfe und Pflege angewiesen war.«
1876 richtete er an den Bürgermeister von Binsfeld ein Gesuch um »Erteilung der Conzession zum Betrieb von Schenkwirtschaft, da mir bei dem Gewerbe des Kleinhändlers durch das Landratsamt auch die Erlaubnis erteilt worden war, geistige Getränke verkaufen zu dürfen. Nun fügt es sich aber oft, dass Fremde bei mir einkehren in der Meinung, ich betriebe Wirtschaft. Es geht mir also bei dem Erlaubnisgesuch nicht so sehr um die Bedürfnisse der Dorfbevölkerung als um fremdes Publikum.« Offensichtlich führte dieser Versuch nicht zum Erfolg.
In einem anderen Fall bat er unterm 24. Oktober 1874 »... um Ausstand und Abstand der Anordnung der Polizeibehörde, das Strohdach meines Hauses in 8 Tagen niederzulegen und ein feuerfestes Dach auflegen zu müssen.« Den Beweis seiner Armut als Handelsmann mit Töpferwaren und Körben bekunde der beiliegende Steuerzettel. » ... es fiel mir in den letzten Jahren bei den gegenwärtig geldarmen Zeiten schwer, soviel zu verdienen, um mich und die Meinigen durchzubringen und konnte nichts erübrigen. Zwingt man mich zur Erneuerung des Daches, so bin ich genötigt, Schulden zu machen, falls man mir borgt.«
Teilweise war Zirbes mit behördlicher Erlaubnis auch »Privatfeldhüter« auf den Gemarkungen der Gemeinden Niederkail, Landscheid, Binsfeld und Spangdahlem »... unter der Bedingung einer moralischen Führung und nicht ungesetzlichen Wandels in tätiger und gewissenhafter Pflichterfüllung des Gehorsams und der pünktlichen Befolgung der ihm erteilten Befehle.«
»Nach Verlauf von 12 Jahren, wohl den traurigsten meines Lebens, gab ich das Geschäftchen auf, entledigte mich meiner Feldwirtschaft und konnte wieder etwas freier aufatmen.« »Der Dichter als Krämer« CD 1 /No. 38
In diese Zeit fällt ein sehr großer Teil der Bearbeitung von Sagen der Heimat, die der Dichter besang. »Manche der schon bekannten fand ich in einem weniger gefälligen Gewande und suchte sie in gefällige Form zu kleiden. Andere schürfte ich zu Tage und suchte sie der Vergessenheit zu entreißen. Mögen sie meiner Heimat zur Ehre gereichen. Doch man kann nicht immer nur singen. Der Hauptteil des Lebens ist und bleibt die Prosa. Ich wurde Versicherungsagent, aber die Arbeit wurde schlecht bezahlt.«
1869 starb die Schwester und hinterließ 4 unmündige Kinder. Er sah sich verpflichtet, den Schwager zu unterstützen. Zirbes fasste den Entschluss, nicht mehr mit seinen dichterischen Erzeugnissen an die Öffentlichkeit zu treten.
Da wurde 1888 der Eifelverein gegründet, und verschiedene Mitglieder sagten ihm Unterstützung zu. Sie bekräftigten ihn in dem Entschluss, eine Neuauflage seiner Gedichte unter dem Titel »Eifelsagen« herauszugeben. »Ich war bereits 63 Jahre alt und fast immer leidend. Wozu eine neue Auflage erscheinen lassen, deren Vertrieb ich nicht mehr selbst besorgen kann, woran ich vielleicht keinen Genuß mehr habe und deren Besorgung und Ordnung ich andern überlassen muß?« Zu diesem Zeitpunkt er sehr krank, fast taub, ständig von Schmerzen geplagt und von der Gicht befallen »... sodass es mich wundert, dass ich nicht wahnsinnig davon wurde.«
Es fehlte nach seiner Ansicht die geeignete Persönlichkeit, eine entsprechende Auswahl zu treffen. Zwei Namen müssen im Zusammenhang mit der dritten Auflage genannt werden: Prof. Conrad aus Koblenz und Gymnasiallehrer Dr. van Hoffs aus Trier. Sie haben sich der großen Mühe unterzogen, um das Werk von Peter Zirbes erstmals kritisch zu betrachten und zu sichten. Sie waren dabei gezwungen, an verschiedenen Gedichten erhebliche Abstriche zu machen und die sprachliche Qualität und Ausdrucksweise zu beanstanden.Trotzdem wurde die Auflage mit vielen Änderungen ermöglicht.
Zirbes ließ sich wieder zur Ausgabe im Selbstverlag bereden. Der aber brachte ihm auch mit der dritten Auflage (1891) nur Enttäuschung. Die Druckkosten waren 1894 noch nicht gedeckt. Zirbes erlitt Einbußen. 1895 teilte Conrad ihm das Ergebnis mit. 200 Mark Schulden von 1200 Mark Auslagen. »Man posaunt, lobt, schmeichelt und streut mir Palmen und Weihrauch, als ob ich etwas Außerordentliches geleistet hätte. Man bewundert meine jugendfrische Schaffenslust die herrlichen, gottbegnadeten Geistesblüten einer jugendlichen Phantasie, meine Ausdauer und Geduld im Leiden, sowie, dass ich mich nicht beklage usw. Das alles geht kalt an mir vorüber.« »Dichterlos« CD 1 No.32
Der Versuch, dem Dichter seinen Lebensabend durch ein hinreichendes Vermögen und Einkommen vor drückender Not zu sichern, schlug fehl. Mehrmals überreichte er Ausgaben seiner drei zu Lebzeiten erschienenen Ausgaben » ... meiner anspruchslosen Leistungen an Allerhöchste und hohe Herren und Frauen, die mir huldvollst dankend, ihre Allergnädigste Anerkennung bezüglich meines geistigen Strebens zuteil werden ließen.«
Hier ragt das im Entwurf vorliegende Gesuch (1853) an Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen in Berlin, hervor.
Rhein-Provinz.
Regierungs-Bezirk Trier, Kreis Wittlich,
Bürgermeisterei Landscheid,
Niederkail den . . .1853
An Ihre Majestät
Friedrich Wilhelm IV. König von Preußen in Berlin
Von hoher Ehrfurcht und treuer Liebe zu Eurer Kaiserlich, Königlichen Majestät durchdrungen, wagt es ein armer Steinguthändler, Eurer Königlichen Majestät die Erstlinge seiner einfachen, schlichten Dichtungen zu Füßen zu legen. Aufgewachsen in der rauhen Eifel, großgezogen an der Brust der Armut, begrüßt im Leben von Sorgen und begleitet von ihnen durch alle Windungen des dornigen Lebensweges, hat der Herr aller Gnade mir die eine Gabe verliehen, die, im Liede auszusprechen, was die Seele fühlt damit der Trost von oben nicht mangele bei dem Weh hier unten.
Ein befreundeter, wohlwollender Mann hat durch besondere Fügung in Erfahrung gebracht, dass ich die Sagen meiner engeren Heimat um dieselben zu Ehren zu bringen, selbst unter den widersprechendsten Verhältnissen gesammelt und poetisch bearbeitet habe. Dieser edle Mensch veranlaßte mich, diese Sammlung in neuer Ausgabe drucken zu lassen, um mir durch die Herausgabe einen freundlicheren Lebensabend zu bereiten. So ward dieses Büchlein, welches ich mir alleruntertänigst erlaube Eurer Kaiserlich, Königlichen Majestät zu überreichen, herausgegeben, um meine sorgenvolle Lage in etwas nach Kräften zu mildern. Wollten Eure Kaiserlich, Königliche Majestät geruhen, auch nur einen Blick in das Büchlein zu werfen, das einer der niedrigsten, aber gewiß einer der treuesten unter Eurer Kaiserlich, Königlichen Majestät
Untertanen Allerhöchst - Ihnen zu überreichen wagt, so würde sich ein Lebensbild darstellen, wie vielleicht kaum je eins den Blicken Eurer Kaiserlich, Königlichen Majestät begegnet ist, aber es ist das Gefühl der einfachen, tiefempfundenen Wahrheit, was mir aus der Seele quoll, schlicht und natürlich wie das Lied des Vögleins auf dem grünen Zweige.
Möge Euere Kaiserlich, Königliche Majestät mir in Königlicher Huld den Schritt vergeben, den ich wagte und mir nicht zürnen.
Eurer Kaiserlich Königlichen Majestät
treugehorsamster und unterthänigster
Peter Zirbes
Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen (1840-1861), der für alles Edle und Hohe schon als Kronprinz eingetreten war und den man den »Romantiker auf dem Thron« nannte und für den, nach seinen eigenen Worten kein »Stück Papier sich zwischen ihn und das Volk drängen sollte,« ließ Peter Zirbes eine Dankadresse mit einer Zuwendung von 150 Thalern zukommen. Eine Menge Geld, die Zirbes kaum in seinem Leben je zusammen gesehen hatte.
Ebenso hat Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) Zirbes am 3. März 1894 ein Schreiben zukommen lassen:
Geheimes Zivil Cabinet                  Berlin, den 3. März 1894
Sr. Majestät d. deutschen Kaisers und Königs von Preussen
Auf die Immediateingabe vom 8. Januar d. Js. theile ich in Allerhöchsten Auftrage Ew. Wohlgeboren ergebenst mit, dass Seine Majestät der Kaiser und König Ihre »Eifelsagen, Lieder und Gedichte« anzunehmen geruht haben und für Ihre Aufmerksamkeit freundlich danken lassen.
Zugleich haben Allerhöchstdieselben als Zeichen ihrer Gnade Ihnen ein Geldgeschenk von 150 M zu überweisen geruht welches ich hierbeifolgen lasse.
Der Geheime Kabinets-Rath
Wirkliche Geheime Rath
gez. Suranus
An den Steinguthändler
Herrn Peter Zirbes
zu Niederkail
7317
1891 heiratete Zirbes die Witwe Anna Maria Thiel geb. Wagner. Die Familie Mathias Thiel gehörte zu den Ärmsten in der Pfarrei und nährte sich kümmerlich durch den Taglohn des Mannes als Mahlknecht. Thiel hatte schon vorher mit seiner Familie im Hause Zirbes gewohnt und dieser hatte bis zum Tode des Mathias Thiel (1888) diese nach Kräften verpflegt und versorgt, während die Frau den Haushalt geführt und bei der Bestellung der Felder geholfen hatte.
»Um in meinem hilflosen Alter eine dauernde eigene Pflege zu haben, heiratete ich meine Pflegerin, eine völlig mittellose Witwe mit 3 Kindern, zu welchen sich noch vor 3 Jahren ein Knabe gesellte. Wir pflanzen unsere Kartoffeln, treiben etwas Bienenzucht, halten eine Kuh, füttern ein Kälbchen oder Schweinchen groß und teilen uns in unsere Armut. Ich bin 75 Jahre alt, dauernd kränklich, taub und gebrechlich, von Nahrungssorgen gedrückt schwebe ich überm Grabe und suche mich auf einen guten Tod vorzubereiten.«
Aus dieser Ehe wurde dem Dichter in hohem Alter noch ein Sohn geboren. Die Frau, die die restlichen Jahre seines Lebens entscheidend bestimmte, übte einen sehr großen Einfluss aus.
Zirbes schrieb in einer Eingabe: » ... wem anders als dem vorigen Pfarrer hab ich's zu verdanken, dass meine arme Frau mitunter geistesirre und tobsüchtig ist« Offensichtlich u. a. auch aus persönlichen Zerwürfnissen mit dem Pfarrer von Landscheid trat Zirbes am 20. Mai 1900 zur evangelischen Kirche über. Dieser Vorgang brachte ihm viele Unannehmlichkeiten und Misshelligkeiten im Dorf ein.
»Den Geschäftsleuten sagte man, sie dürften uns nichts verkaufen. Den Fuhrleuten und Handarbeitern verbot man, für uns zu arbeiten. Den Krämer drohte man mit Entzug der Kundschaft und die Dorflieferanten von Milch und Butter bestürmte man, uns nichts mehr verabfolgen zu lassen. Eine Witwe, die uns bewilligte, das Korn in ihrer Scheune unterzubringen, ließ uns absagen, die Leute des Dorfes leiden's nicht. Einige teuer gepachtete Ackerfelder blieben ungenutzt liegen, weil sich kein Fuhrmann herbeiläßt, uns dieselben zu pflügen. Niemand holt uns den reifenden Roggen herein, und da ich selbst keine Scheuer habe, und man uns die paar Garben nicht unter Dach bringen läßt, bekommen wir auch keine Drescher. Schließlich besorgten meine Frau und Tochter nebst noch 2 anderen Frauenzimmern, denn männliche Hilfe war nicht zu haben, den Ausdrusch der 172 Garben. Das ergab 7 Scheffel! Doch fast für 1/3 Jahr Brotfrucht. Alles Fehlende, sowie Saatkorn. falls wir welches bekommen, muß gekauft werden.«

Am 20. Mai 1901 ging die Wohnung mit einem großen Teil der Habe in Flammen auf. Ein 5jähriges Kind spielte mit Streichhölzern, zündete einen Ginsterbusch an und hielt das brennende Büschel unter das niedrige Strohdach. Ein erwachsenes Mädchen von 25 Jahren sah dem Schauspiel zugesehen haben, ohne das Kind von seinem Vorhaben abzuhalten. Zirbes, von Gicht gelähmt, musste aus dem brennenden Hause getragen werden. Nur wenige Habseligkeiten und seine Manuskripte wurden aus dem Feuer gerettet-
Die Schulchronik berichtet: »Am Abend des 20. Mai 1901 brannten die Gebäulichkeiten des Dichters Peter Zirbes. ln wenigen Augenblicken stand alles in Flammen, zu retten war nichts mehr.« Erst im August wurde das Dach des Wohnhauses wieder aufgebaut.
Am 14. November 1901 hatte er seinen Lebensweg vollendet. Peter Zirbes wurde auf dem Friedhof in Landscheid, dicht an der Friedhofsmauer begraben. Eine Stele aus Sandstein wurde ihm zu Ehren errichtet.

Der Artikel stützt sich auf den Beitrag des ehemaligen Schulrats Hans Erben (verstorben) aus dem Buch: »Peter Zirbes. Eifeldichter und wandernder Steinguthändler aus Niederkail. Auswahl seiner Gedichte und Sagen.«, Hg.: Verbandsgemeinde Wittlich-Land 1976, 6. Auflage, Seite 10 bis 70