Ludwig Richter (1803-1884), Frontispiz für Ludwig Bechsteins Sammlung »Deutsches Märchenbuch 1857«

Charles Perrault

Feenmärchen - Contes de Fées

Jewel-Box mit 2 CD und 12seitigem Beiheft
zum Preis von € 14,50

CD 1 Die Schöne im schlafenden Wald
1    Das Schicksal der Prinzessin 9:39
2    Der Prinz als Retter 9:32
3    Unter der Fuchtel der Stiefmutter 7:32
4 Das kleine Rotkäppchen 5:48
Der Blaubart
5    Blaubarts Werbung 6:34
6    Das Schicksal seiner Frau 7:46
Der Gestiefelte Kater
7    Der arme Müllerssohn 6:51
8    Das Werk des Katers 7:32
9 Die Feen 7:13 68:47
CD 2 Aschenputtel
1    Unter der Fuchtel der Stiefmutter 9:08
2    Der Ball und seine Folgen 10:22
Rico mit dem Schopf
3    Das Einwirken der Fee 8:27
4    Die schöne und kluge Prinzessin 4:39
5    Das Einverständnis 6:30
Der kleine Däumling
6    Die Kinderschar 7:05
7    Verloren im Walde 4:39
8    Beim Menschenfresser 8:00
9    Die Flucht und ihr Gelingen 7:45 66:56
2:14:34

Der Text zu dieser Produktion ist eine Neuübersetzung des Vorlesers nach der Vorlage: »Charles Perrault: Contes de Fées - Märchen«, dtv zweisprachig, Edition Langewiesche-Brand, herausgegeben von Kristof Wachinger, München 1996, 2001, 2004, ISBN: 3-423-009407-9.
Der in diesem Buch wiedergegebene französische Text bezieht sich auf die Quelle: »Les Contes de Ch. Perrault, précédées d’une préface par P. C. Jacob, Bibliophile, et suivis de la dissertation sur les Contes de Fées, par Baron Walckenaer, Librairie des Bibliophiles, E. Flammarion, Successeur, o.J.

Die Märchen stammen von der einen Seite aus der mündlichen Überlieferung, aber auch von Autoren wie Giovanni Francesco Straparola (1480-1558) oder Giovanni Battista Basile (1575-1632). Charles Perrault war ein liebevoller Familienvater; als großartiger Erzähler unterhielt er auch und vor allem seine Kinder mit den Märchen, die er dann in die Feder fließen ließ und dem Publikumsgeschmack anpasste. So lässt sich die stilvolle Wiedergabe in bewusst schlichter Prosa erklären, jedem Text folgt dann eine kommentierende und ironisierende Moral in Versform als Beispiel oder Warnung.
Bereits im Jahre 1698 erschien in Holland ein erster Raubdruck der Märchensammlung unter dem Titel »Conte de ma mère l'oie«, wörtlich zu übersetzen mit »Erzählungen von meiner Mutter, der Gans«.
Hinter dieser Benennung, der Mutter Gans, verbirgt sich eine alte Redensart, die auf das Sagenhafte und Unglaubliche einer Geschichte hinweisen soll. Gemeint ist hier die Gestalt der Bertha gemeint, Königin der Franken, geboren um 725, gestorben im Juni 783, auch: Bertha mit dem Gänsefuß [au pied d'oie] oder Bertha die Spinnerin genannt; Gattin Pippins des Jüngeren, Mutter Karls des Großen. Ihre Existenz ist sagenumwoben und historisch nicht gesichert.
Die erste Auflage des Raubdrucks bezeichnete als Verfasser »le fils de M. Perrault« [Der Sohn von Monsieur Perrault], die weiteren Auflagen folgten ohne Nennung eines Autors.

Das Märchen als Kunstform ist wohl wahrscheinlich in den Pariser literarischen Salons im Paris des 17. Jahrhunderts entdeckt worden. Es sind folgende Autorinnen (nach Geburtsjahr) zu nennen, die sich mit Feenmärchen und Volksmärchen befassten (Leider ist kein weiterer Autor vertreten!): Marie Catherine Comtesse d'Aulnoy (1650 - 1705), Charlotte-Rose Caumont de la Force (1650 - 1724), Marie Jeanne L'Héritier de Villandon (1664 - 1734), Henriette-Julie de Castelneau de Murat, (1670 - 1716), Gabriele-Suzanne de Villeneuve (geb. Barbot, 1695 - 1755), Marie-Antoine de Fagnan (1710-1775), Jeanne Marie Leprince de Beaumont (geb. Vaimboult, 1711 - 1780) sowie Catherine Lintot (1728 - ????).
Zu erwähnen ist, dass Marie Jeanne L'Héritier de Villandon eine Nichte Perraults war. Diese war gut befreundet mit Marie Catherine d'Aulnoy, Henriette de Murat und Madeleine de Scudery war, in deren Salon sich die Lieraturinteressierten zumeist versammelten.
Parallel dazu ist zu sehen die Übersetzung der »Märchen aus 1001 Nächten« (ab 1704) aus der Feder des französischen Gelehrten und reisenden Jean Antoine Galland (1646-1715).
Der Autor Alain René Le Sage (1668 - 1747) erweckte die Sagenwelt und schuf »Die Geschichte des Gil Blas von Santillana« und »Le diable boiteux« [Der hinkende Teufel], neuzeitliche Schelmenromane, ähnlich dem Vorbild des François Rabelais (1494-1553) und Miguel de Cervantes Saavedra (1547 - 1616).
Im 18. Jahrhundert, der Zeit des »Sturm und Drang« und der Aufklärung standen realistische Romane, Balladen und Schauspiele im Vordergrund, jedoch wurde das Märchen nicht vernachlässigt: selbst ein Dichter wie Goethe schuf sein »Märchen«.
Die Feenmärchen erschienen auch in deutscher Übersetzung: »Der Frau Maria Le Prince de Beaumont lehrreiches Magazin für Kinder zu richtiger Bildung ihres Verstandes und Herzens, für die deutsche Jugend eingerichtet...« in zwei Bänden, Hg.: Joachim Schwben, Leipzig 1759; »Cabinet der Feen« in neun Bänden, erschienen bei Raspe in Nürnberg, Hg.: Friedrich Emanuel Bierling (die weite Verbreitung fanden); »Die blaue Bibliothek aller Nationen« Hg.: Friedrich Justin von Bertuch, in die die Märchen Perraults aufgenommen waren.
In Weimar versammelte Herzogin Anna Amalia bedeutende Köpfe der Literatur um sich, der als »Weimarischer Musenhof« Eingang in die Geschichte gefunden hat. Zu diesem Kreis zählten: Johann Gottfried Herder (1734-1803) als Generalsuperintendent, Christoph Martin Wieland (1733-1813) als Erzieher des Prinzen sowie Charlotte von Stein (1742-1827), Johann Karl Musäus (1735-1787), Herausgeber der »Volksmärchen der Deutschen« (1782), Karl Ludwig von Knebel (1744-1834), Friedrich Justin Bertuch (1747-1822), Herzoglicher Rat, Drucker und Verleger der »Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung«.
Die nachfolgende Ära der »Romantik« mit dem Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte das Märchen als Kunstform neu und sorgte dadurch vor allem auch dafür dafür, dass auch die bereits vorliegenden Publikationen weitere Beachtung fanden.
Jakob und Wilhelm Grimm zogen durch das Land und sammelten systematisch die Geschichten, die bislang nur von Mund zu Mund weitergegeben worden waren.
Die Märchen Perraults wurden von Ludwig Tieck (1773-1853) teils in Form von Schauspielen verarbeitet. Die letzte Bearbeitung erschien im »Phantasus«, 3 Bände, in den Jahren 1812-1815, also zeitgleich mit den »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm.
Dass die Märchen Perraults durchaus bekannt waren, zeigt ein Zitat mit direktem Verweis in der Erzählung »Der Magnetiseur« [Zweiter Band der ,Fantasiestücke in Callots Manier'] des Autors E. T. A. Hoffmann.
Die Märchen Perraults wurden auch für das Theater, Ballett oder Film adaptiert. Das Ballett »Dornröschen« des Komponisten Tschaikowski, basiert auf einer Adaption von »La belle au bois dormant«. Maurice Ravel komponierte eine Klavier-Suite für vier Hände »Ma mère l'oye«, im Jahre 1911 orchestriert und später als Ballett aufgeführt.
Die bekanntesten Adaptionen der Märchenwelt Perrraults stammen aus den Zeichentrickstudios von Walt Disney: »Cinderella« [Aschenputtel], 1950 und »Sleeping Beauty« [Dornröschen] 1959.