Rezension zu den Werken von E. T. A. Hoffmann:
Der Goldene Topf, Prinzessin Brambilla, Meister Floh

 

Rezension zu den Werken von E. T. A. Hoffmann:
Nachtstücke, Fantasiestücke in Callot's Manier, Seltsame Leiden eines Theaterdirektors, Klein Zaches, genannt Zinnober, Die Elixiere des Teufels, Erster Teil

 

Goldgrüne Schlangen in Holunderbüschen? Kleine ehrwürdige Männer, die in Tulpen sitzen? Zwei Magier im optischen Zweikampf? --- Alles Unsinn? Toller Spuk?
Nein! - Es ist die einzigartige Fantasie des Multitalents und Dichters E. T. A. Hoffmann, die in seinen Erzählungen und Märchen zum Ausdruck kommt.
Als Kind stieß ich im Bücherregal der Eltern auf einen Band mit wundersamen Geschichten, las es einmal, dann noch einmal und war fasziniert und ergriffen von Ausdrucksweise und Fantasie des Dichters. Es erschloss sich eine neue Welt der Traumwesen, die, wenn man in sie versank, jede Langeweile verstieß und jede Alltäglichkeit zu etwas Besonderem machte.
Ich war begeistert und hütete diese Entdeckung wie ein Geheimnis. Noch in meiner Jugend schaffte ich mir eine schöne Gesamtausgabe der Hoffmann'schen Werke in neun Bänden an, die noch heute den Ehrenplatz im Regal inne hat.
Die Erzählungen und Märchen E. T. A. Hoffmanns ließen mich in all den vergangenen Jahren nicht los - so verging kein Weihnachtsfest, an dem ich nicht das kleine, allerliebst illustrierte Büchlein »Nußknacker und Mausekönig« zur Hand nahm (ein Märchen zur Weihnachtszeit von E. T. A. Hoffmann) und den Kindern wie auch mir selbst vorlas.
Keinen Besuch bei meinen Verwandten in Dresden gab es, in dem ich nicht abends lauschend an der Elbe entlang schritt, um das Zischeln der goldgrünen Schlänglein im Holunderbusch nicht zu überhören. Wie oft sah ich träumend Napoleon über die Augustusbrücke reiten aus dem Winkel, aus dem E. T. A. Hoffmann ihn damals erblickte. Der Zauber ließ nicht nach.
Nun, mit 48 Jahren, wo die Augen schlechter werden, und der Rücken verspannt, wenn man länger als eine halbe Stunde im Bett liest, - nun habe ich den Reiz und das Angenehme von Hörbüchern entdeckt, die ja auch der »alten Tradition« des »Geschichtenerzählens« noch näher kommen als das selbständige Lesen. Wie entspannend und gemütlich ist es, etwas vorgelesen zu bekommen!
Auf meiner Suche nach lohnender Literatur als Hörbuch im Internet, die Hoffmann selbstverständlich einschloss, stieß ich zu meiner freudigen Überraschung auf die Internetseite des Verlages Albert Gehlen, wo ich etwas, was ich kaum zu träumen gewagt hatte, nämlich die Möglichkeit, E. T. A. Hoffmanns Gesamtwerk in Hörbuchform erwerben zu können, tatsächlich vorfand. Nun war ich wie elektrisiert. Ich las auf der Homepage einiges über Ursprung und Verwirklichung des Hoffmannprojektes.
Bei einem sehr freundlichen Telefonat mit Herrn Albert Gehlen bestellte ich sogleich meine drei Lieblingsmärchen: »Der Goldene Topf«, »Meister Floh« und »Prinzessin Brambilla«. Bereits am dritten Tag nach der Bestellung trafen gut verpackt die Hörbücher ein und ich erlebte beim Auspacken erneut eine freudige Überraschung. Der erste optische Eindruck ist ein äußerst angenehmer. Ganz in weiß gehalten, nur mit schwarzem Aufdruck, machen Schuber und CD-Hüllen sofort einen edlen, ja vornehmen Eindruck. Oben auf der Hülle der verzierte Namenszug des Dichters, in der Mitte gleich einem Wasserzeichen der transparente Abdruck seines Profils. Der Aufdruck des Titels und der anderen Informationen in einfacher schwarzer Schrift. Kurz, die CD-Hüllen und Schuber machen einen schlichten, aber sehr edlen Eindruck. Sie sind einzigartig und offenbar mit viel Liebe und Geduld entworfen. Die CD-Beschriftungen ähneln den Hüllen, auch hell und edel mit dem Portrait des Dichters verziert.
Zu jedem Werk gibt es ein informatives Booklet, das den Lebenslauf Hoffmanns beinhaltet sowie die Entstehung und Wirkung seines Werkes beschreibt.
Vorgelesen werden die Texte von Albert Gehlen selbst mit ruhiger, deutlicher und einprägsamer Stimme, der der Hörer entspannt folgen kann. Selbst bei schwierigen Worten und Sätzen, von denen es bei Hoffmann etliche gibt, verschluckt er keine Silben und bemüht sich um gute Verständlichkeit. So verbleibt nach Abhören einer ganzen Geschichte (wie z.B. oben genannte) ein angenehmer Gesamteindruck. Ich als Laie vermag und wage es mir nicht vorzustellen, mit wie viel Mühe, Konzentration und Zeitaufwand und anderen Schwierigkeiten solch ein Einlesen verbunden ist. Deshalb habe ich vor der Leistung Albert Gehlens die allergrößte Achtung!
Als sehr praktisch und beruhigend empfinde ich die Tatsache, dass die einzelnen Hörbücher nach Bestellung gefertigt werden, so dass ich nicht Angst haben muss, bestimmte Teile des Werks seien nicht verfügbar oder vergriffen.
Ich kann den Dichter E. T. A. Hoffmann und sein Gesamtwerk in Hörbuchform aus dem Verlag Albert Gehlen nur jedem empfehlen und werde selbst im begünstigten Abonnement das Gesamtwerk anschaffen und im Regal einen weiteren Ehrenplatz einrichten.

29. September 2007                                 Heinrich Schröter   

 

Rezension
(Nachtstücke, Fantasiestücke in Callot's Manier, Seltsame Leiden eines Theaterdirektors, Klein Zaches, genannt Zinnober, Die Elixiere des Teufels, Erster Teil)
Nach meiner Entdeckung des Verlages Albert Gehlen - und der unaussprechlichen Freude darüber, dass dort die Werke E.T.A. Hoffmanns komplett als Hörbücher erscheinen, bestellte ich zunächst meine drei Lieblingsmärchen »Der goldene Topf«, »Prinzessin Brambilla« und »Meister Floh«, die mich sowohl optisch als auch akustisch gleich überzeugten. Da ich seit meiner Kindheit ein E. T. A. Hoffmann-Fan bin, beschloss ich, mir die Gesamtausgabe anzuschaffen und durfte deshalb auch das preisgünstige Abonnement nutzen. So bekam ich nach und nach die weiteren bereits eingelesenen Werke zugeschickt. Über den Inhalt der einzelnen Werke möchte ich nicht viele Worte verlieren, weil dies hier zu weit führte und dem Interessierten vielleicht gar die Spannung rauben würde. Die den CD's beigefügten Booklets klären ausführlich über Inhalt, Ursprung und Wirkung sowie biographische Stationen des Dichters auf und sind kompetent und liebevoll zusammengestellt.
Bei den »Nachtstücken« handelt es sich um spannende, geheimnisvolle Novellen, in denen menschliche Stärken und auch Schwächen aus dem Dunkel herausgearbeitet werden und sich teilweise in reinsten Psychogrammen vollenden.
Die »Fantasiestücke in Callot's Manier«, zu denen auch das einzigartige Märchen »Der goldene Topf« gehört, glänzen in bizarrer Fantasie, die einen wohlig schwindeln macht. Einmal schaurig und geheimnisvoll, das nächste Mal spöttisch voll verrückter Ironie, nehmen sie Zeitgenossen und Lebensumstände gnadenlos auf's Korn. Sie handeln zumeist von den Dingen, die Hoffmann in seinem Umfeld selbst betrafen - von seinen ärmlichen Verhältnissen, von Dichtkunst, Theater und Musik.
Die »Seltsamen Leiden eines Theaterdirektors« beschäftigen sich konkret mit den haarsträubenden Missständen des damaligen Theaterwesens und enden in Resignation. Letzteres Werk ist meiner Meinung nach sehr gut und den Kern der Sache treffend von Albert Gehlen eingelesen und sogar mundartlich gewürzt und verfeinert, so dass mir das Hören besonders viel Genuß und Freude bereitete. Ebenso herausragend vorgelesen finde ich die »Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza« (angelehnt an Cervantes, zweiter Band der »Fantasiestücke«), in denen Herr Gehlen dem Hund Berganza eine geradezu respekteinflößende Bassstimme verleiht, die optimal zum Texte passt.
Der »Klein Zaches« ist wohl vielerorts bekannt und berühmt und ist ein Märchen voll von sprudelnder Fantasie, so recht nach Hoffmanns Manier. Wer es nicht kennt, sollte dies schnellstens ändern. Als letzte Postsendung erhielt ich zu meiner großen Freude noch kurz vor Weihnachten den ersten Teil des Romans »Die Elexiere des Teufels«, einer spannenden Geschichte um einen vom Teufelselexier versuchten und verleiteten Mönch, der in der Folge die merkwürdigsten Erlebnisse hat und furchtbare Abenteuer bestehen muß. Voll Ungeduld erwarte ich nun den zweiten Teil, um wieder in die dunkle Welt des Mönches Medardus versinken zu können, - abends, mit den Kopfhörern, im Bett....
Nun noch ein paar Worte zum Sprecher bzw. Vorleser der Hörbücher, zu Herrn Albert Gehlen. Eine Rezension darf ja durchaus auch kritische Töne äußern. Was einen Menschen einzigartig und wertvoll macht, ist u. a. sein Wesen, sein Charakter, aber auch seine Stimme und wie er dieselbe gebraucht. Das einzige, was ich an H. Gehlens Art vorzulesen kritisieren kann, ist der etwas leierhafte Ton, das ständige Auf und Ab der Stimme, das sich durch den Vortrag zieht. Zuweilen erinnert es mich an Gedichtvorträge der ersten Klassen der Schulzeit. Besonders auffällig ist es zu Beginn eines Hörbuchs bei der Nennung des Titels und des Dichters. Der Stimme fehlt es an natürlicher Gleichmäßigkeit der Tonhöhe, so dass die Sätze oftmals gekünstelt klingen.
Das als Feststellung, - allein, ist das irgendwie von Wichtigkeit? Stört es den Vortrag oder den Inhalt des Textes? Nicht im geringsten! Viel wichtiger ist mir die Tatsache, dass ich nach dem Hören der bisher produzierten Hörbücher die Stimme Albert Gehlens bereits unverwechselbar mit den Texten E. T. A. Hoffmanns in Beziehung bringe und nach und nach eine Einheit feststelle, wie ich sie auch bei Texten von Fontäne oder Thomas Mann in der Stimme Gert Westphals vorfinde.
Ebenso sind die Gesänge Homers, Vergils oder Ovids für mich mit der Stimme Rolf Boysens verbunden und Millionen von Kindern werden bei Harry Potter - Geschichten die Stimme Rufus Becks im Ohr haben. Das ist das Schöne, wenn eine individuelle Stimme, die vielleicht auch ein paar Macken hat, sich mit dem Werk eines Dichters vereint und immer wieder daran erkannt werden kann.
Über die etwas leierhafte Art des Vorlesens von Herrn Gehlen muß ich nur ab und zu lächeln, wie ich ebenso lächle, wenn Gert Westphal des Wort »Nacht«, ausspricht und das »ch« geradezu schaurig in der Feme verklingt.
Die Stimme A. Gehlens beim Einlesen der Hörbücher ist klar, fließend , deutlich und einprägsam. Keine Silbe wird verschluckt. Eine gute Stimme, und für mich ein bisschen die Stimme E.T.A. Hoffmanns, die einzigartig und mir teuer ist wie das gesamte Werk E.T.A. Hoffmanns.
Die Anschaffung der Hörbücher kann ich nur jedem empfehlen. Die CD's sowie die Hüllen sind mit viel Liebe, Mühe und Stil gestaltet und wirken im Regal schlicht, aber äußerst edel.
Ich freue mich bereits sehr auf die weiteren Hörbücher des Gesamtwerks und möchte Herrn Albert Gehlen, der die CD's weitgehend allein produziert, meine größte Bewunderung und Anerkennung aussprechen. Ganz besonders aber danke ich ihm dafür, dass er durch seine Mühe und Arbeit einen so wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass das fantastische Werk E. T. A. Hoffmanns nicht in Vergessenheit gerät.

25. April 2008                                 Heinrich Schröter