Theodor Storm

Auch wenn Storm sich selbst als »unpolitisches Thier« bezeichnete, so kann doch konstatiert werden, dass er intensiv am politischen Geschehen in seiner Heimat Anteil nahm, und sich nicht scheute, um seiner Ideale willen Restriktionen in Kauf zu nehmen. Das zeigt sich auch in seiner Lyrik, mit der er sich aktiv in das Geschehen seiner Zeit einmischte.
Der Name Theodor Storm ist im Alltagsbewusstsein der Menschen verbunden mit seiner letzten großen Novelle "Der Schimmelreiter". Sein umfangreiches lyrisches Werk wird oft nicht mehr zur Kenntnis genommen. Dass er darüber hinaus in den politischen Kontext der deutschen Geschichte eingebunden war, ist und bleibt vergessen.

14. September 1817 Hans Theodor Woldsen Storm wird in Husum, Markt 9, als Sohn des Rechtsanwalts Johann Casimir Storm (1790-1874) geboren; Mutter: Lucie, geb. Woldsen (1797-1879).
1821 Umzug in das Haus der Großeltern Woldsen, Hohle Gasse 3.
1826 Theodor tritt in die Quarta der Husumer Gelehrtenschule ein.
1833 Erstes Gedicht: »An Emma«.
27. Juli 1834 Erste Gedichtveröffentlichung »Sängers Abendlied« im Husumer Wochenblatt vom 27. Juli 1834.
1835 Im Herbst Umschulung in die Prima des Katharineums in Lübeck; dort Freundschaft mit Ferdinand Röse, der ihn mit Goethes »Faust« und der Lyrik Heines und Eichendorffs bekannt macht.
1837 Beginn des Jura-Studiums in Kiel; Storm schreibt ein Märchen und Gedichte für Bertha von Buchan;
Verlobung mit der 17jährigen Emma Kühl von Föhr.
1838 Entlobung; Studium in Berlin, Bildungsreise nach Dresden. Veröffentlichung von Gedichten in den »Neuen Pariser Modeblättern«.
1839 Rückkehr zur Universität Kiel; Freundschaft mit Theodor und Tycho Mommsen.
1842 Bertha von Buchan weist Theodors Heiratsantrag zurück.
Juristisches Staatsexamen in Kiel.
Beginn der Sammlung von Sagen und Reimen aus Schleswig-Holstein.
Herbst 1842 Theodor Storm wohnt wieder in Husum.
1843 Arbeit in der väterlichen Kanzlei; Anfang des Jahres eröffnet er eine eigene Rechtsanwaltskanzlei;
Gründung eines gemischten Gesangvereins.
Veröffentlichungen im »Volksbuch auf das Jahr 1844« und im »Liederbuch dreier Freunde«.
1844 Verlobung mit seiner Cousine Constanze Esmarch, Tochter des Bürgermeisters von Segeberg.
1844 Teilnahme am Nordfriesenfest in Bredstedt.
1845 Einzug in das Haus Neustadt 56.
Karl Müllenhoff gibt die Sagensammlung mit vielen Beiträgen von Storm zum Druck.
1846 Eheschließung mit Constanze.
Weitere Arbeiten für die »Volksbücher«.
1847 Liebesverhältnis zu Dorothea Jensen, leidenschaftliche Liebesgedichte, z. B. »Rote Rosen«; »Marthe und ihre Uhr« im »Volksbuch« veröffentlicht.
1849 Storm engagiert sich für die nationale Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins;
»Immensee« (1. Fassung).
1850 Niederlage der Schleswig-Holsteiner bei Idstedt; Beschießung von Friedrichstadt.
1852 Storms Bestallung als Rechtsanwalt wird kassiert;
er ist nicht bereit, eine Loyalitätserklärung gegenüber der Dänischen Krone abzugeben.
Stellungssuche, erste Reise nach Berlin.
Mit der Veröffentlichung der 2. Fassung von »Immensee« wird Storm im deutschsprachigen Kulturraum als Dichter bekannt.
Die erste Sammlung seiner »Gedichte« erscheint. Novelle: »Die Stadt«
1853 Storm bemüht sich in Berlin um eine Stelle im preußischen Justizdienst; schließlich wird er zum preußischen Gerichtsassessor (zunächst ohne Gehalt) ernannt; Wohnung in Potsdam.
Storm schließt sich dem "Tunnel über der Spree" an. Bekanntschaft mit Fontane, Paul Heyse, Franz Kugler, Friedrich Eggers u.a.
1854 Gedicht »Für meine Söhne«, Novelle »Im Sonnenschein«.
1855 Besuch bei Eduard Mörike in Stuttgart.
1856 Freundschaft mit dem »Immensee«-Illustrator Ludwig Pietsch;
Ernennung zum Kreisrichter in Heiligenstadt;
Übersiedlung nach Thüringen.
1857 Gedichte
1859 In Heiligenstadt entstehen bedeutende Erzählungen, so die Novellen »Auf dem Staatshof« und »Veronika«
1862 »Knecht Ruprecht«; neben der Novelle »Im Schloss«
Storm konzipiert eine Reihe von Märchen: »Bulemanns Haus«, »Die Regentrude«, »Der Spiegel des Cyprianus« Novelle »Auf der Universität«
1864 Im Deutsch-Dänischen Krieges besiegen preußisch-österreichische Truppen die Dänen. Storm wird zum Landvogt des Kreises Husum gewählt; er scheidet aus dem preußischen Staatsdienst aus und kehrt nach Husum zurück.
1865 Im März tritt Storm sein Landvogt-Amt in Husum an
Tod seiner Ehefrau Constanze
Gedichtzyklus »Tiefe Schatten«; Novelle »Von Jenseit des Meeres«.
1866 Reise nach Baden-Baden zu Iwan Turgenjew.
Vermählung mit Dorothea Jensen; Umzug in das Haus Wasserreihe 31.
1868 Edition der Märchen unter dem Titel "Die Regentrude"
Nach Aufhebung des Amtes des Landvogts wird Storm preußischer Amtsrichter; die erste Auflage der »Sämmtlichen Schriften« erscheint.
1870 Storm stellt das »Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius. Eine kritische Anthologie« zusammen. Freundschaft mit dem Illustrator Hans Speckter.
1872 »Draußen im Heidedorf« (erste Novelle, die sich »aus den vorgetragenen Tatsachen« entwickelt);
Reise nach Leopoldskron bei Salzburg zum österreichischen Politiker und Schriftsteller Julius Schindler, der unter dem Namen »Julius von der Traun« Erzählungen veröffentlichte.
1874 Ernennung zum Oberamtsrichter
»Viola tricolor«
1875 »Pole Poppenspäler« entsteht als Auftragsarbeit; es handelt sich um Storms einzige eigens für die Jugend geschriebene Erzählung.
1876 »Aquis submersus«; »Meine Erinnerungen an Eduard Mörike«
1877 Beginn der Freundschaft und des Briefwechsels mit Gottfried Keller und Literaturprofessor Erich Schmidt;
1878 Novelle »Carsten Curator«
1879 Novelle »Renate«
Gedicht »Geh nicht hinein«
1880 Storm wird auf eigenen Wunsch pensioniert und beschließt, mit seiner Familie Husum zu verlassen.
1881 Umzug nach Hademarschen, um "als Poet noch eine neue Periode zu beginnen"; Neubau einer großzügigen Villa;
Novelle »Die Söhne des Senators«
An Gottfried Keller schreibt Storm: »Die 'Novelle' ist die strengste u. geschlossenste Form der Prosa-Dichtung, die Schwester des Drama's«
1881/82 Erzählungen »Der Herr Etatsrat« und »Hans und Heinz Kirch«
1884 »Zur Chronik von Grieshuus«
1885 »John Riew«; »Ein Fest auf Haderslevhuus«
1886 Reise nach Weimar zur Jahresversammlung der "Goethe-Gesellschaft";
»Bötjer Basch«
Beginn der Arbeit am "Schimmelreiter". Schwere Krankheit.
1887 »Ein Doppelgänger«; »Ein Bekenntnis«;
Reise nach Sylt; »Sylter Novelle« (Fragment).
Zur Feier seines 70. Geburtstags wird der Dichter in ganz Deutschland geehrt.
1888 Vollendung der Novelle "Der Schimmelreiter";
4. Juli 1888 Tod Storms
7. Juli 1888 Beisetzung in der Familiengruft auf dem Husumer St. Jürgen-Friedhof.