Kurt Tucholsky

Am 9. Januar 1890 wurde Kurt Tucholsky in der Lübecker Straße 13 in Berlin-Moabit geboren als Sohn von Alex Tucholsky (1855 - 1905), Kaufmann, gebürtig aus Greifswald, und Doris Tucholsky, geb. Tucholski (1861 - 1943). Seine Eltern gehörten dem jüdischen Bürgerstand an. Von 1893 - 1899 lebte die Familie in Stettin, bis sie im Jahre 1900 nach Berlin zurückkehrte; der Vater war Direktor der Bank »Berliner Handelsgesellschaft«. Er ging vom Französischen Gymnasium ab, besuchte das Königliche Wilhelm Gymnasium, wurde aus der Schule genommen und machte als Externer das Abitur 1907. Im gleichen Jahr erschien die erste Arbeit, das »Märchen« im »Ulk«, der satirischen Beilage des »Berliner Tageblatts«. Am 7. Oktober 1909 begann er das Jura-Studium an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. Im Jahre 1912 erschien »Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte«. Binnen kurzem wurden 50.000 Exemplare verkauft, das Lob der Presse war einhellig.
Am 9. Januar 1913, erschien sein erster Beitrag in der »Schaubühne«, herausgegeben von Siegfried Jacobsohn. Bis Juni 1914 folgten an 200 Beiträge der Theater- Kabarett- und Filmkritik. Hier tauchten bereits Ignaz Wrobel, Peter Panter und Theobald Tiger als Pseudonyme auf. Der erste Versuch zum Abschluss des Studiums misslang: die Dissertation »Die Vormerkung aus §1179 BGB und ihre Wirkungen« wurde von der Universität Jena zurückgewiesen. Eine geänderte Fassung wurde angenommen, die mündliche Prüfung fand im November 1914 statt. Am 12. Februar 1915 wurde er zum Dr. jur. promoviert. Am 10. April 1915 wurde er zum Einsatz als Armierungssoldat (»Schipper«) im Memelgebiet einberufen und am 11. September 1917 zum Unteroffizier befördert. Im November 1918 kehrte er nach Berlin zurück; im Dezember übernahm er die Redaktion des »Ulk«, in dem er unter Namen »Kaspar Hauser« auftrat, und der »Berliner Volks-Zeitung«. Mit auf sein Anraten hin wurde die »Schaubühne« ab dem 4. April 1918 in »Weltbühne« umgetauft. Am 30. August 1919 wurde der »Friedensbund der Kriegsteilnehmer« gegründet; die Gründer waren neben ihm Ossietzky, Gumbel, Vetter u.a.; der Verband organisierte die Massenkundgebungen »Nie wieder Krieg«
Am 3. Mai 1920 heiratete Tucholsky die Ärztin Else Weil (1889 - 1942), von der er sich 1923 trennte. Er trat nach Aufgabe der Redaktionen als Privatsekretär in die Dienste des früheren Finanzministers Hugo Simon im Bankhaus Bett, Simon & Co. ein; diesen Posten versah er ein Jahr lang. In der Artikelserie »Militaria« rechnete er mit dem deutschen Militarismus ab. Am 30. August 1924 heiratete er Mary Gerold (1898 - 1987), die er seit November 1917 kannte; das Ehepaar zog nach Paris. Von dort betätigte er sich für die »Weltbühne«. Der Herausgeber Siegfried Jacobsohn starb am 3. Dezember 1926; er fuhr nach Berlin und übernahm die Leitung bis Mai 1927. Beim II. Reichskongress der kommunistischen »Roten Hilfe Deutschland« 1927 wurde er in den Vorstand gewählt; gleichzeitig war er im Vorstand der »Liga für Menschenrechte« engagiert. Unermüdlich war er als Kolumnist und Autor tätig. Von 1928 an plagte ihn eine Krankheit, die seinen Allgemeinzustand stark beeinträchtigte. Seinen Wohnort verlegte er am 22. Januar 1930 nach Schweden. Im April 1931 erfolgte der Vorabdruck von »Schloß Gripsholm« im »Berliner Tageblatt«. Am 7. März 1933 erschien das letzte Heft der »Weltbühne«. Am 19. Dezember 1935 nahm er das Gift, das er seit langem bei sich trug. Begraben ist er auf dem Mariefred bei Gripsholm.